Der Golembeschwörer #3
Vorheriger Teil: https://derwanderndemagier.blogspot.com/2025/10/der-golembeschworer-2.html
Die Dunkelheit der Höhle war undurchdringlich, nur das matte Schimmern der Kristalle an den Wänden bot spärliches Licht. Feriks und sein treuer Golem, der ihm bereits mehrfach das Leben gerettet hatte, kämpften sich durch das unterirdische Labyrinth. Jede Konfrontation mit den grotesken Kreaturen, die hier hausten, fühlte sich wie ein Überlebenskampf an. Doch mit jedem Sieg wurde Feriks stärker, selbst wenn er es nicht bewusst bemerkte.
Dann geschah es. Der Golem, der ihm unermüdlich gefolgt war, begann plötzlich, ein tiefes Licht auszustrahlen. Seine steinerne Haut schimmerte, sein Körper wuchs und nahm eine beeindruckendere Form an. Feriks wich erschrocken zurück, sein Herz raste. „Was zur Hölle passiert mit dir?“ rief er, während der Golem eine neue, mächtigere Gestalt annahm. Als das Leuchten nachließ, stand vor ihm ein doppelt so großer Golem, seine Aura strahlte rohe Kraft aus. Feriks atmete schwer. „Du bist... stärker geworden.“ Er konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. „Nicht schlecht.“
Doch die Freude währte nicht lange. Ein Geräusch ließ ihn herumfahren. Schritte, langsam und schlurfend. Aus den Schatten trat eine Gestalt hervor. Ihre Haut war fahl, ihre Bewegungen unnatürlich steif, ihre Augen leer und doch... wachsam. Eine Untote.
„Verdammt...“, murmelte Feriks und wich instinktiv zurück. Die Kreatur bewegte sich auf ihn zu, und noch bevor er reagieren konnte, stürzte sich der Golem mit unerbittlicher Wucht auf sie. Seine Faust krachte in ihren Körper, warf sie gegen die Felswand, wo sie regungslos liegen blieb. Der Kampf war in Sekunden vorbei.
Feriks atmete auf. „War ja einfacher als gedacht.“ Doch als er sich umdrehte, um weiterzugehen, hörte er eine Stimme.
„Warte.“
Sein Herz setzte einen Schlag aus. Er fuhr herum. Die Untote stand wieder. Ihre leeren Augen waren auf ihn gerichtet, und doch wirkten sie plötzlich... menschlich.
„Was zum...“, entfuhr es ihm.
„Ich will mit dir gehen“, sagte sie. Ihre Stimme war leise, fast sanft, und dennoch klang sie fremd.
„Mit mir... gehen?“ Feriks spürte, wie sich seine Nackenhaare aufstellten. „Du bist ein verdammter Untoter! Warum sollte ich dich mitnehmen?“
„Ich bin nicht wie die anderen“, entgegnete sie ruhig. „Ich esse kein Fleisch. Ich werde dich nicht verletzen.“
„Oh, das beruhigt mich ja ungemein“, sagte er sarkastisch und verschränkte die Arme. „Und warum sollte ich dir glauben?“
Die Untote neigte leicht den Kopf. „Hast du eine Wahl?“
Feriks knirschte mit den Zähnen. Seine Hand ballte sich zur Faust. Er wusste, dass er keine Zeit hatte, um hier herumzudiskutieren. Und so gefährlich sie auch sein mochte... irgendetwas an ihr war anders.
„Fein“, sagte er schließlich. „Aber wenn du mich auch nur ansiehst, als würdest du an meinem Fleisch knabbern wollen, zerschmettert mein Golem dich in Staub, verstanden?“
Die Untote nickte. „Verstanden.“
Kaum hatte er seine Zustimmung gegeben, spürte Feriks plötzlich eine merkwürdige Wärme durch seinen Körper strömen. Es war anders als zuvor, als er das Monsterfleisch gegessen hatte. Diesmal war es... tiefer. Intensiver. Eine Verbindung wurde geknüpft. Er keuchte und griff sich an die Brust. „Was... war das?“
Die Untote sah ihn direkt an. „Ich bin nun dein Vertrauter.“
Feriks und die Untote, deren Name Leina war, unterhielten sich, während sie weiter durch die düsteren Höhlengänge schritten. Leina erzählte Feriks viel über die Welt, von Dingen, die er nicht wusste oder nicht verstehen konnte. Sie sprach mit ruhiger, aber melancholischer Stimme.
"Ich war einst eine Heilige Priesterin," begann sie. "Unsere Aufgabe war es, das Unheil in diesen Höhlen zu vernichten. Wir waren eine Gruppe von tapferen Kriegern und Magiern, doch wir alle fanden hier den Tod. Auch ich fiel... doch ich konnte nicht gehen. Etwas Dunkles hielt mich hier fest, zwang mich zurück ins Leben – wenn man das hier überhaupt so nennen kann."
Feriks hörte aufmerksam zu, während sie sprach. Seine Gedanken rasten. >>Also war sie eine Art Heldin? Doch nun ist sie... ein Monster?<< Er war sich nicht sicher, ob er ihr trauen konnte, aber bisher hatte sie ihm keinen Grund gegeben, misstrauisch zu sein.
Schließlich lenkte sich das Gespräch auf ein neues Thema: Vertraute.
"Vertraute sind mehr als nur Begleiter," erklärte Leina. "Sie sind an ihren Meister gebunden, wie Diener oder Gefährten. Doch nur Monster können Vertraute sein. Da ich nun ein Monster bin, scheine ich wohl dein Vertrauter geworden zu sein."
Feriks runzelte die Stirn. "Heißt das, mein Golem ist auch ein Vertrauter?"
Leina überlegte kurz. "Nicht ganz. Er ist etwas Ähnliches, aber nicht genau dasselbe. Golems sind künstliche Wesen, sie funktionieren anders als wir. Doch da er durch deine Kraft existiert, könnte man sagen, er gehört zu dir."
Feriks nickte, ließ das Gesagte auf sich wirken. Der Golem marschierte wie immer wortlos neben ihnen her. Er war nicht wirklich lebendig, aber auch nicht bloß eine Maschine. Es war ein seltsames Gefühl, ihn als Teil seiner kleinen Gruppe zu betrachten.
Während ihrer Reise durch die Höhlen begegneten sie immer wieder Monstern. Feriks und Leina kämpften Seite an Seite, und der Golem zerschmetterte Feinde mit brachialer Kraft.
Mit jedem Kampf fühlte sich Feriks stärker, doch er konnte sich nicht erklären, warum. Hin und wieder aß er einige der besiegten Kreaturen, meist aus purer Notwendigkeit, um seinen Hunger zu stillen. Das Fleisch war oft zäh und unappetitlich, doch er bemerkte eine seltsame Veränderung in seinem Körper – ein merkwürdiges Gefühl, als würde sich etwas in ihm anpassen oder entwickeln. Aber er ignorierte es.
Unwissend, dass er neue Fähigkeiten erhielt und weiterhin im Verborgenen Level-Ups sammelte, kämpfte er sich durch die endlosen Höhlengänge, begleitet von seinem Golem und Leina, der Untoten Priesterin.
nächster Teil: https://derwanderndemagier.blogspot.com/2025/10/der-golembeschworer-4.html
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