Der Golembeschwörer #2

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Feriks starrte den kleinen Golem an, der aus dem Nichts erschienen war. Sein Körper bestand aus dunklem Stein, durchzogen von feinen, leuchtenden Linien, die pulsierend aufglommen. Trotz seiner geringen Größe wirkte er massiv und unerschütterlich. Doch anstatt Erleichterung verspürte Feriks eine unbestimmte Angst.

>>Ein Golem? Aber... ist er gefährlich?<< Er tastete instinktiv nach einem nicht vorhandenen Schwert, sein Herz raste. Der Golem bewegte sich nicht, stand einfach nur da, als würde er auf etwas warten. Langsam beruhigte sich Feriks Atem. >>Moment mal... er hat mich nicht angegriffen. Vielleicht... vielleicht gehorcht er mir?<<

"Hey... du... äh, Golem?" Seine eigene Stimme klang zittrig. Keine Antwort. Der Golem verharrte in derselben Haltung. "Kannst du... mir folgen?" Zu seiner Überraschung bewegte sich die steinerne Kreatur mit einem dumpfen Geräusch nach vorne. Feriks riss die Augen auf. "Okay, das ist... das ist wirklich seltsam. Aber nützlich!" Ein Grinsen huschte über sein Gesicht, während er sich innerlich zu beruhigen begann. >>Wenn du mir folgst, dann kannst du mir auch helfen.<<

Mit neuem Mut setzte Feriks seinen Weg durch die Höhle fort, der Golem stapfte lautlos hinter ihm her. Bald tauchten die ersten Monster auf – verzerrte, schattenhafte Kreaturen mit glühenden Augen. Panik blitzte in Feriks auf, doch ein instinktiver Befehl entfuhr ihm: "Golem, greif an!" Und tatsächlich – der kleine steinerne Begleiter bewegte sich ruckartig nach vorne und rammte seine massive Faust in das erste Monster. Mit einem unnatürlichen Kreischen löste sich die Kreatur auf.

Feriks keuchte, spürte ein Kribbeln in seinem Körper. >>Was war das? Ich fühle mich... stärker?<< Er ignorierte es vorerst, konzentrierte sich auf den nächsten Angriff. Das Kampfduo bahnte sich seinen Weg durch die Höhlen, die Monster fielen eines nach dem anderen. Immer wieder ertönte Feriks' Stimme, erst unsicher, dann mit wachsendem Selbstbewusstsein: "Zerschmettere es!", "Weich aus!", "Angriff von der Seite!"

Mit jedem Kampf merkte Feriks, dass er sich schneller bewegte, seine Schläge gezielter wurden. Doch er wusste nicht, dass er auflevelte – er konnte es nicht sehen, nur fühlen. Sein Körper war nicht mehr derselbe, auch wenn er es noch nicht ganz begreifen konnte.

Die dunklen Gänge erstreckten sich endlos vor ihnen. Feriks und sein Golem marschierten weiter, bereit für das, was als Nächstes kam.

Feriks gewöhnte sich allmählich an die Präsenz des Golems. Anfangs war es ihm seltsam vorgekommen, eine steinerne Kreatur an seiner Seite zu haben, aber mit jeder weiteren Konfrontation mit den Monstern in dieser merkwürdigen Höhlenwelt erkannte er den Nutzen. Der Golem war stark, widerstandsfähig und gehorchte seinen Befehlen ohne zu zögern.

Immer wieder begegneten sie grotesken Wesen – spinnenartige Kreaturen mit glänzenden Chitinpanzern, schattenhafte Gestalten, die sich lautlos bewegten, und sogar einige wurmähnliche Wesen, die sich blitzschnell durch den Stein bohrten. Jedes Mal stieß der Golem mit seinen gewaltigen Fäusten zu und zerschmetterte sie, während Feriks seine Angriffe koordinierte. Er fühlte sich immer sicherer, kraftvoller – doch bald meldete sich ein anderes Problem.

Hunger. Ein nagendes, immer stärker werdendes Verlangen machte sich in ihm breit. Wie lange war er schon hier unten unterwegs? Er hatte kein Zeitgefühl, aber sein Magen machte ihm unmissverständlich klar, dass er dringend etwas zu essen brauchte.

Bei einem der Kämpfe gegen eine Gruppe kleinerer, reptilienartiger Wesen packte er kurzerhand eines davon, bevor der Golem es zertrümmern konnte. Es war nicht sonderlich groß, kaum länger als sein Unterarm, und seine dunklen Schuppen glänzten feucht. >>Vielleicht kann man das ja essen...<< dachte er sich, auch wenn der Gedanke daran ihn wenig begeisterte.

Nach einer Weile fanden sie eine Stelle, die ihm sicher erschien – eine kleine, von Kristallen beleuchtete Nische, die von den Hauptgängen abzweigte. Er ließ sich auf dem harten Boden nieder und lehnte sich gegen den Felsen. "Golem, halte Wache," befahl er knapp. Der Golem verharrte regungslos an der Eingangsseite der Nische, bereit, jeden Angreifer abzuwehren.

Feriks betrachtete das Wesen in seiner Hand. Es war noch warm, sein Körper fühlte sich fest, aber nicht zu hart an. Ihm blieb keine Wahl – er musste essen. Also biss er vorsichtig in das Fleisch. Überraschenderweise war es nicht ungenießbar. Ein leicht metallischer Geschmack breitete sich auf seiner Zunge aus, aber es war nicht ekelhaft. Es war nahrhaft, sättigend.

Während er aß, spürte er plötzlich eine seltsame Veränderung in seinem Körper. Ein Kribbeln, als würde sich etwas tief in ihm ausbreiten, eine neue Energie, ein Hauch von etwas Unbekanntem. Doch er konnte es nicht genau einordnen. >>Seltsam... was war das?<< Er hielt inne, aber nichts schien sich wirklich verändert zu haben. Vielleicht war es nur Einbildung.

Schulterzuckend verschlang er den Rest des Wesens und wischte sich den Mund ab. Jetzt war er wenigstens satt. Die Rast hatte ihm gutgetan, aber lange konnte er nicht verweilen. Er rappelte sich auf und trat zu seinem Golem. "Weiter geht's." Ohne zu zögern folgte ihm die steinerne Kreatur, und gemeinsam setzten sie ihren Weg durch die Höhlen fort, nicht wissend, dass Feriks gerade eine neue Fähigkeit erhalten hatte.


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