Der Golembeschwörer #8

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Die Reise von Feriks und Leina setzte sich fort. Sie folgten einem breiten, von Karren und Fußgängern ausgetretenen Weg, der sich durch die weite Landschaft schlängelte. Die Sonne stand hoch am Himmel, nur gelegentlich von einer Wolke verdeckt, während sanfte Winde die Blätter der nahen Bäume zum Rascheln brachten. Die Umgebung war ruhig – nur das Zwitschern der Vögel und das entfernte Rauschen eines Flusses begleiteten ihre Schritte.

In der Ferne erhob sich eine Silhouette gegen den Horizont. Auf den ersten Blick hätte es ein Dorf sein können, doch die klaren Linien der Mauern und der angedeuteten Türme ließen auf eine befestigte Anlage schließen. Noch war sie zu weit entfernt, um genauere Details auszumachen, doch es war offensichtlich, dass sie sich einer größeren Siedlung näherten.

"Dort vorne", sagte Feriks und deutete auf die Struktur. "Vielleicht finden wir dort endlich Antworten."

Leina nickte, ihr Blick prüfte die Umgebung sorgfältig. "Vielleicht. Aber wir sollten vorsichtig sein."

Während sie sich weiter in Richtung der fernen Festung bewegten, entdeckten sie in einiger Entfernung eine Gruppe von Reitern und Fußsoldaten, die ihnen entgegenkamen. Als die Einheit näherkam, erkannte Feriks, dass es sich um Wachsoldaten handelte. Die kleine Gruppe war bunt gemischt: Neben Menschen waren auch ein Zwerg, ein Gnom, ein Halbling und sogar ein Zentaur unter ihnen. Der Zwerg, mit einem dichten, geflochtenen Bart und einer imposanten Rüstung, schien das Kommando zu haben.

Leina nutzte rasch ihren erlernten Illusionszauber, um sich als gewöhnliche Frau auszugeben. Ihr Anblick änderte sich nur subtil, ihre Haut wirkte lebendiger, und ihre Augen verloren das leichte Glühen, das manchmal in ihnen aufflackerte. Für einen normalen Betrachter sah sie nun wie eine gewöhnliche Reisende aus.

Die Soldaten hielten an, als sie sich näherten, und der Zwerg trat vor, seine scharfen Augen fixierten Feriks und Leina. "Ihr zwei da!" rief er mit rauer, befehlsgewohnter Stimme. "Kommt ihr aus dem Dorf? Wisst ihr, was dort vorgefallen ist?"

Feriks und Leina tauschten einen kurzen Blick. Feriks trat einen Schritt vor und schüttelte den Kopf. "Wir kamen aus einer anderen Richtung und haben das Dorf auf unserem Weg betreten. Doch es war... leer."

Die Soldaten wechselten fragende Blicke. Der Gnom, der einen Notizblock hervorzog, runzelte die Stirn. "Leer? Keine Spur von den Bewohnern?"

"Nein", bestätigte Leina. "Es war, als wären sie einfach verschwunden. Alles war noch an Ort und Stelle – als hätte das Leben dort vor wenigen Augenblicken noch weitergegangen. Doch kein Mensch war zu finden."

Der Zwerg brummte nachdenklich. "Verdammt... wir haben Händler oder zumindest ein paar Rekruten aus dem Dorf erwartet. Sie hätten sich hier mit uns treffen sollen."

Der Zentaur schnaubte und kratzte unruhig mit einem Huf über den Boden. "Meister Zwerg, könnte es sein, dass sie sich nur verspätet haben?"

"Unwahrscheinlich", erwiderte der Zwerg grimmig. "Diese Leute sind zuverlässig."

Feriks verschränkte die Arme. "Es sah nicht so aus, als hätten sie das Dorf freiwillig verlassen. Keine Anzeichen von Kampf, keine Spuren von überstürzter Flucht. Nur... Leere."

Der Halbling rieb sich nachdenklich das Kinn. "Magie?"

Leina sah ihn an. "Es ist eine Möglichkeit, aber ohne Anhaltspunkte kann ich nichts mit Sicherheit sagen."

Der Zwerg seufzte und deutete dann die Straße hinunter. "Hört zu. Ihr scheint vernünftige Leute zu sein. Das Fort dort vorn schützt die umliegenden Dörfer. Wenn ihr Antworten sucht, solltet ihr euch vielleicht dort umhören. Aber bis wir wissen, was genau geschehen ist, bleibt das Fort vorerst gesperrt. Wir müssen herausfinden, was mit dem Dorf passiert ist."

Der Gnom blätterte durch seine Notizen und fügte hinzu: "Wenn ihr eine Unterkunft oder weitere Informationen sucht, geht nach Osten. Dort liegt ein weiteres Dorf, das unter dem Schutz des Forts steht. Vielleicht könnt ihr dort mehr erfahren."

Feriks und Leina nickten. "Danke für die Informationen", sagte Feriks. "Wir werden uns dorthin begeben."

Die Soldaten verabschiedeten sich mit einem knappen Gruß und setzten ihren Weg zum verlassenen Dorf fort, während Feriks und Leina sich auf die neue Richtung ausrichteten. Mit neugierigen Gedanken und vielen offenen Fragen begaben sie sich zum beschriebenen Dorf, in der Hoffnung, endlich mehr über die seltsamen Ereignisse dieser Gegend zu erfahren.


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