Max (Short Story) [Verbesserte Version]

 „Gib einem Menschen Macht, und du siehst seine Abgründe.“ Ich weiß nicht mehr, wer das gesagt hat, aber der Satz frisst sich seit Wochen in mein Gehirn.

Nennt mich Moritz. Was ich hier aufschreibe, klingt wie eine billige Fantasie, wie etwas, das im Internet erfunden wurde, um Klicks zu generieren. Aber das hier ist real. Und diese absolute Machtlosigkeit gegenüber der Realität ist es, was mir die Kehle zuschnürt.

Alles begann vor wenigen Tagen. Mein bester Freund Max (die Namen sind frei erfunden, aber wir waren wie Brüder) war bei mir zu Hause. Meine Eltern waren unterwegs, nur meine ältere Schwester war in ihrem Zimmer. Max und ich saßen vor der Konsole, die Controller in den Händen, das typische, unbeschwerte Bild zweier Teenager.

Irgendwann entschuldigte sich Max, um ins Badezimmer zu gehen. Er blieb lange weg. So lange, dass das Spiel im Pausenmodus verharrte und die Stille im Haus schwer wurde. Als ich schließlich auf den Flur trat, um nach ihm zu sehen, schlug mir eine seltsame Veränderung entgegen.

Es war die Luft. Sie war plötzlich dicht, fast greifbar, und roch nach etwas Unbekanntem – einer schweren, süßlichen Note von Moschus und verbranntem Holz, so intensiv, dass ich sie fast auf der Zunge schmecken konnte. Und dann hörte ich es. Ein tiefes, keuchendes Stöhnen, das eindeutig aus dem Zimmer meiner Schwester kam.

Ein unangenehmes Gefühl stieg in mir auf. Max hatte schon immer ein Auge auf sie geworfen, aber sie hatte ihn wegen seines sprunghaften Wesens nie ernst genommen. Ich schlich zum Zimmer, mein Herz klopfte im Hals, und blickte durch das Schlüsselloch.

Was ich sah, brannte sich in mein Gedächtnis. Es war kein normaler Sex. Die Erotik im Raum war von einer fast erschreckenden Intensität. Meine Schwester lag auf dem Bett, die Augen halb geschlossen, glasig und fixiert auf Max, als wäre er das Einzige, was in ihrem Universum noch existierte. Ihre Haut war schweißnass, ihre Bewegungen wirkten wie ferngesteuert, getrieben von einer unnatürlichen, gierigen Lust. Das schwere, süßliche Aroma strömte in Wellen von Max’ Körper aus, und jedes Mal, wenn sie es einatmete, zuckte sie vor Erregung zusammen. Ihr Lächeln war perfekt, aber es wirkte wie eingefroren. Eine glückliche Trance, die jeglichen freien Willen ausgelöscht hatte.

Völlig verstört wich ich zurück und flüchtete in mein Zimmer. Die Zeit verging wie in Zeitlupe. Als ich nach über zwei Stunden vorsichtig die Tür öffnete, kam Max heraus. Er wirkte seltsam aufgeräumt, fast kühl.

„Deine Schwester ist echt unglaublich“, sagte er beiläufig, während er sich das T-Shirt glattzog.

Ich blickte an ihm vorbei. Meine Schwester lag regungslos auf dem Bett, tief atmend, die Laken zerwühlt, das matte Lächeln noch immer auf den Lippen. Sie wirkte wie im Drogenrausch.

„Was hast du getan?“, brachte ich heraus. „Sie hat sich nie für dich interessiert.“

„Heute schon“, entgegnete er mit einem selbstgefälligen Unterton. „Ich kam aus dem Bad, sie hat mich gerochen und ist einfach über mich hergefallen. Manchmal muss man Gelegenheiten eben beim Schopf packen.“

Ich konnte nicht antworten. Die Luft im Flur war noch immer geschwängert von diesem betörenden, giftigen Duft. Ich hielt es nicht aus. Ich verließ das Haus und rannte einfach los, um den Kopf freizubekommen.

Als ich Stunden später zurückkehrte, stand das Auto meiner Eltern in der Auffahrt. Erleichterung mischte sich mit neuer Angst. Ich öffnete die Haustür – und die schwere, süße Duftwolke schlug mir sofort wieder entgegen. Sie hatte das ganze Haus infiziert.

Diesmal kam das Stöhnen aus dem Schlafzimmer meiner Eltern. Es war die Stimme meiner Mutter.

„Was zum Teufel, Max?!“, schrie ich, als ich die Tür aufstieß.

Das Bild war surreal. Max war völlig nackt, seine Haut glänzte von Schweiß, und meine Mutter klammerte sich an ihn, völlig berauscht von seiner Präsenz, ihre Finger tief in seinen Rücken gegraben. Sie reagierte nicht einmal auf meine Stimme. Ihre Sinne waren komplett vernebelt.

„Hey Moritz“, sagte Max, ohne in seiner Bewegung innezuhalten. Er atmete schwer, seine Augen blitzten dunkel vor Macht. „Tut mir leid, Bro. Aber sie wollte es so sehr. Keine Frau kann widerstehen.“

Wut kochte in mir hoch. Ich wollte auf ihn losgehen, ihm das selbstgefällige Grinsen aus dem Gesicht schlagen. Doch bevor ich ihn erreichte, packte mich jemand von hinten am Arm und stieß mich grob zurück. Es war meine Schwester, nur im Bademantel, die Augen wild und beschützerisch auf Max gerichtet.

„Lass ihn in Ruhe!“, zischte sie mich an.

„Er ist bei unserer Mutter! Seid ihr völlig wahnsinnig geworden?!“, brüllte ich sie an.

„Und? Mich hat er auch genommen. Es ist gut so. Es ist so verdammt gut“, flüsterte sie, während ihr Blick kurz ins Leere schweifte, als würde sie dem Duft nachspüren, der von ihm ausging.

Als mein Vater kurz darauf nach Hause kam, eskalierte die Situation. Zum Glück hatte der Geruch bei Männern keine Wirkung. Er begriff die Situation zwar nicht im Detail, sah aber den nackten Teenager, packte Max mit purer Wut und stieß ihn die Treppe hinunter, direkt zur Haustür hinaus.

Der Rest des Tages war ein Trümmerfeld. Meine Schwester schloss sich ein, meine Mutter starrte teilnahmslos die Wand an und reagierte kalt und abweisend auf meinen fassungslosen Vater. Die Familie war gebrochen, infiziert von einer unsichtbaren Macht.

Am nächsten Morgen hielt ich es nicht mehr aus. Ich musste wissen, was Max getan hatte. Ich ging zu seiner Wohnung, doch als ich klopfte, öffnete nicht Max, sondern die Nachbarin – eine hübsche Studentin aus dem Obergeschoss. Sie trug nur eines seiner Hemden, die Knöpfe offen, ihre Haut leicht gerötet.

„Moritz? Suchst du Max?“, fragte sie mit einer tiefen, entspannten Stimme. Ihre Augen hatten denselben gläsernen Schleier wie die meiner Schwester am Vortag.

„Ja... was tust du hier?“, stammelte ich.

„Komm ruhig rein. Max und ich... wir gehören jetzt zusammen.“

Ich betrat das Wohnzimmer. Max saß auf der Couch, eine Boxershorts bekleidet. Der süße, schwere Duft hing hier so dicht in der Luft, dass mir schwindelig wurde. Die Studentin ging ohne ein weiteres Wort vor ihm auf die Knie. Vor meinen Augen öffnete sie seine Hose und begann, ihn mit einer fast rituellen Hingabe zu verwöhnen. Max legte den Kopf zurück, genoss die feuchte, intensive Stimulation und sah mich dabei direkt an.

„Was ist das für ein Teufelszeug, Max?“, fragte ich, die Stimme zittrig, während das rhythmische Gestöhne der Frau den Raum erfüllte.

Er lachte leise, während ihre Lippen ihn umschlossen. „Ein Fläschchen aus dem Netz. Nennt sich 'Master'. Ein paar Tropfen auf die Haut, und die Realität biegt sich nach deinen Wünschen. Jede, die ich will, gehört mir. Sie können gar nicht anders, ihr Körper verlangt danach.“

Ich sah die absolute Ergebenheit der Frau zu seinen Füßen, wie sie sich an ihn schmiegte, völlig berauscht von der rein physischen Ekstase, die dieser übernatürliche Duft in ihr auslöste. Es war eine perfekt inszenierte, unheimliche Falle aus Lust und Kontrollverlust.

Seit diesem Tag brach der Kontakt ab.

Manchmal sehe ich ihn in der Stadt, immer umgeben von einer Traube junger, wunderschöner Frauen, die ihm wie willenlose Schatten folgen. Auf seinen Social-Media-Kanälen postet er täglich neue Gesichter. Alle zeigen denselben Ausdruck: diese unnatürliche, glückliche Trance.

Vor einigen Tagen stieß ich auf einer der großen, bekannten Plattformen auf einen verifizierten Pornokanal. Die Videos zeigen Max. Und sie zeigen immer neue Frauen, die sich vor der Kamera für ihn winden, völlig feucht, getrieben von einer Lust, die nicht ihre eigene ist, während sie seinen Namen stöhnen.

Es kotzt mich an. Und das Schlimmste ist: Ich kann absolut nichts dagegen tun. Denn jede, die er ansieht, will ihn.

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