SOLDAT #01

 Dunkelheit. Stille. Ein dumpfes Dröhnen in ihren Ohren, als wäre sie tief unter Wasser. Ein Kribbeln durchlief ihre Finger, ihre Arme, ihre Beine. Langsam kehrte das Gefühl in ihren Körper zurück, begleitet von einer Schwere, die sie kaum ertragen konnte. Ihr Atem ging stoßweise, flach und unsicher, als würde sie das erste Mal in ihrem Leben atmen.

Mit einem kehligen Laut schlug sie die Augen auf, doch nichts als absolute Finsternis empfing sie. Sie blinzelte, ein-, zweimal, bevor ihre Augen sich langsam an die Dunkelheit gewöhnten. Der Raum um sie herum war eng, kalt und roch nach altem Metall. Eine seltsame Stille lag in der Luft, als sei dieser Ort seit einer Ewigkeit unberührt geblieben.

Mit einem Zittern hoben sich ihre Finger und berührten die Wände um sie herum. Glatt, kalt, metallisch. Ein leises Summen lag in der Luft, so subtil, dass sie sich nicht sicher war, ob es real war oder nur in ihrem Kopf existierte. Ihre Fingerkuppen glitten über die Oberfläche, fanden eine Kante. Eine Rille. Eine Möglichkeit.

Instinktiv drückte sie dagegen. Zuerst geschah nichts. Sie spannte ihre Muskeln an, verlagerten ihr Gewicht und drückte erneut, diesmal mit mehr Kraft. Ein leises Zischen erklang, dann ein metallisches Knacken. Plötzlich gaben die Wände nach.

Ein Ruck ging durch ihren Körper, als die Welt um sie herum sich öffnete. Kühle, abgestandene Luft schlug ihr entgegen, brachte den Geschmack von Staub und Rost mit sich. Sie blinzelte erneut, diesmal gegen das fahle Licht, das durch ein zerbrochenes Fenster am anderen Ende des Raumes fiel.

Langsam hob sie ihren Kopf, ihre Glieder protestierten gegen jede Bewegung, als hätten sie ewig stillgelegen. Mit mühsamem Atem stieg sie aus der seltsamen Vorrichtung, in der sie sich befunden hatte. Als ihre Beine den Boden berührten, gab dieser unter ihr nach. Sie taumelte, fing sich an der Wand und schnappte nach Luft.

Der Raum war alt, staubig und verlassen. Hohe, rissige Decken, Wände, von denen der Putz abblätterte, und Bodenfliesen, die unter ihren Schritten knirschten. Das fahle Licht, das durch das zerbrochene Fenster fiel, warf lange Schatten über den Boden. Sie war in einer Art Labor oder Lagerraum.

Sie drehte sich um und betrachtete die Vorrichtung, aus der sie gerade gestiegen war. Keine Kiste, kein Sarg, sondern eine metallische Kapsel, groß genug, um ihren Körper zu fassen. Ihre Finger glitten über das Metall. Worte, Zahlen, eingravierte Zeichen, doch ihr Kopf war leer.

Wer bin ich?

Die Frage traf sie wie ein Schlag. Ihr Atem stockte. Kein Name, keine Erinnerung, kein Anhaltspunkt. Sie kannte nicht einmal ihre eigene Stimme. Ein Schauer durchlief ihren Körper, als ihr bewusst wurde, wie allein sie war.

Ihre Knie gaben nach, doch sie zwang sich aufzustehen. Irgendwo in diesem Gebäude musste es Antworten geben. Irgendwo musste es einen Ausgang geben. Sie tastete sich an der Wand entlang, während ihr Blick durch den Raum huschte. Abgedeckte Geräte, rostige Werkbänke, ein umgestürzter Stuhl. Eine Tür, leicht angelehnt, führte hinaus in einen dunklen Flur.

Ein leises Flimmern erschien vor ihrem inneren Auge. Ein kurzer, verschwommener Lichtblitz. Bilder, die zu schnell kamen, um sie zu erfassen. Ein Schatten. Stimmen. Ein metallisches Klirren. Dann - Dunkelheit.

Sie schüttelte den Kopf. Es war nicht die Zeit, sich mit diesen Fetzen aufzuhalten. Sie musste hier raus.

Mit unsicheren Schritten näherte sie sich der Tür, legte eine Hand an das kalte Metall. Ein tiefes Kratzen hallte durch den Flur dahinter, wie von etwas, das sich langsam bewegte. Ihr Herz schlug schneller.

Die junge Frau schritt vorsichtig durch die leeren Gänge, die nur schwach von vereinzelten Lichtschimmern durchbrochen wurden. Die Luft war abgestanden, der Geruch von Moder und altem Metall hing schwer in ihrer Nase. Ihre Schritte hallten leise von den Wänden wider.

Sie fand sich in einem weiteren Raum wieder. Verstreute Papiere bedeckten den Boden, einige davon zerknittert, andere von Feuchtigkeit aufgeweicht. Ihr Blick fiel auf einen halb verbrannten, zerfledderten Bericht, den sie vorsichtig aufhob und entfaltete. Die meisten Zeilen waren geschwärzt oder unleserlich, doch einige wenige Worte sprangen ihr ins Auge:

Projekt: P... Testsubjekt: Eva ... (der Nachname fehlte) Erwartete Fähigkeit: Telekinese - Status: ??? Experimentelle Anpassungen: [geschwärzt] Ergebnisse: [Seite zerstört]

Ihre Finger zitterten leicht, als ein weiterer Fetzen Erinnerung durch ihren Kopf zuckte - ein dunkler Van, quietschende Reifen, eine Hand, die sich ihr näherte. Dann war es wieder fort.

Sie musste weiter. Irgendwo in diesem Gebäude gab es mehr Antworten.

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