Meine Schwester..... #8

 agebuch des 12. Juni

Autor: Elias

Ich sollte das hier nicht schreiben.
Ich sollte es am besten vergessen.
Aber… ich kann nicht.

Ich war heute auf dem Dachboden, um nach dem alten Router zu suchen – Papa meinte, vielleicht liegt er da noch rum, weil er damals kein anderes Plätzchen fand.
Ich hab gesucht.
Und dabei bin ich auf eine Kiste gestoßen.

Kein altes Gerümpel, keine alten Spielsachen oder Kartons mit Weihnachtsschmuck.
Stoff.
Wäsche.

Claras.
Nicht die alte, die sie nicht mehr braucht – die neue.
Die, die sie vermutlich irgendwo versteckt, bevor sie sie benutzt oder…
Oder weil sie genau weiß, was ich denken würde.

Ich…
Ich habe einen BH angefasst.
Nur um zu begreifen, ob ich mir die Größe einbilde.

Das Körbchen war so groß wie mein Kopf.
Nein, vielleicht sogar größer. Ich kann es nicht genau fassen.
Ich versuche mir vorzustellen, wie das aussieht, wenn sie den trägt.
Wie groß ihre Brüste jetzt wohl sein müssen, dass so ein Teil passt.
Es ist schwer zu glauben, dass das noch zu ihr gehört – dass das sie ist.

Früher waren sie zierlich, fast kindlich. Ein kleiner, unauffälliger Teil von ihr, der kaum auffiel.
Aber jetzt?
Das hier, das ist etwas anderes.
Etwas, das ich kaum in Worte fassen kann.
Vielleicht die Größe einer kleinen Melone pro Seite, oder noch mehr?
Es macht mich verrückt, dass ich solche Gedanken habe.

Darunter lag ein Slip – oder eher…
…etwas, das wie Unterwäsche für eine Frau wirkt, die doppelt so groß ist wie Clara früher war.
Und trotzdem ist es ihres.
Ich habe es gesehen. Ich habe den Duft gespürt.
Frisch gewaschen.
Neu.

Und ich hasse mich.
Wirklich.
Ich hasse mich.

Weil mein Körper reagiert hat.
Ich…
Ich bin ein krankes Schwein.

Das ist meine Schwester.
Meine kleine Schwester.

Und ich stehe auf dem Dachboden mit ihrem BH in der Hand und spüre, wie mein Herz rast, wie mein Blut kocht, wie mein Verstand…
…versagt.

Ich wollte schreien.
Stattdessen habe ich mich hingesetzt. Auf den alten Hocker. Und einfach nur auf den Boden gestarrt.
Wie konnte ich nur so tief sinken?
Was ist aus mir geworden?

Ich rede mir ein, es ist der Schock. Die Überforderung. Die ständige Veränderung.
Aber das entschuldigt nichts.

NICHTS.

Ich bin eklig.
Ein Versager.
Ein armseliger, schwacher Mensch mit dreckigen Gedanken.

Und während ich das schreibe, will ich mir selbst nicht mehr zuhören.
Ich will die Seiten rausreißen.
Ich will es verbrennen.
Mich verbrennen.

Ich darf ihr nicht mehr zu nahe kommen.
Ich darf sie nicht ansehen.
Ich darf das alles nicht mehr fühlen.

Aber ich weiß auch:
Ich werde.
Wieder.

Und das macht mir mehr Angst als alles andere.

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