Meine Schwester..... #7
Tagebuch des 9. Juni
Autor: Elias
Ich hätte nicht hinschauen sollen.
Ich weiß, wie das klingt – ich weiß, wie ich klinge.
Aber es ist… verdammt schwer, nicht hinzusehen, wenn sich alles so schnell verändert.
Clara hat heute Wäsche aus dem Badezimmer geholt, einfach so, ganz beiläufig.
Ihr alter BH lag obendrauf. Ich habe ihn erkannt, nicht weil ich ihn „kenne“, sondern weil ich ihn beim Wäscheaufhängen oft gesehen habe. Größe 75A, glaube ich.
Heute trug sie einen neuen. Größer. Viel größer.
Und das T-Shirt spannte darüber.
Sie sagt es nicht, sie erwähnt nichts davon, aber es ist offensichtlich.
Nicht nur ihre Brust – auch ihre Hüften. Ihre ganze Statur.
Alles ist… definierter. Reifer.
Sie hat an Muskelmasse zugelegt, aber ohne wuchtig zu wirken.
Ihr Bauch ist flach, ihre Beine kräftig, ihre Arme sehnig – als hätte sie monatelang Sport gemacht. Dabei habe ich sie nie trainieren sehen. Nicht wirklich.
Sie ist gewachsen. Und zwar nicht nur in die Höhe.
Schnell.
Zu schnell.
Ich glaube, wenn ich sie noch zwei Wochen nicht sehe, erkenne ich sie nicht wieder.
Und dann…
…dann frage ich mich, was zum Teufel mit mir los ist.
Ich denke zu viel an sie.
Nicht nur über sie.
An sie.
Und nicht als Bruder.
Ich rede mir ein, es ist bloß Neugier.
Bloß Sorge.
Aber das ist es nicht.
Ich beobachte sie.
Ich speichere Details.
Ich… vergleiche.
Ihre frühere Figur mit der jetzigen.
Ihre Bewegungen von damals mit dem, was sie heute ausstrahlt.
Das ist krank.
Oder?
Ich will kein Perverser sein. Ich will kein Voyeur sein.
Aber ich kann nicht weggucken.
Sie ist so präsent. So… mächtig, irgendwie.
Ich fühle mich klein, wenn sie in einem Raum ist.
Früher habe ich sie beschützt. Ich war der große Bruder.
Jetzt habe ich das Gefühl, dass sie mich beschützen könnte – wenn sie wollte.
Oder vernichten. Wenn sie es wollte.
Ich verliere den Boden unter den Füßen.
Ich erkenne meine eigene Rolle nicht mehr.
Ich weiß nicht, ob das hier noch Realität ist oder ob ich langsam durchdrehe.
Vielleicht will ich einfach nur, dass jemand anderes sieht, was ich sehe.
Und mir sagt, dass es real ist.
Oder dass es nicht real ist.
Oder dass ich aufhören kann, mich schuldig zu fühlen.
Ich weiß nicht mehr, wer ich bin, wenn ich in ihre Augen sehe.
Aber ich weiß, dass sie es weiß.
Alles.
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