Meine Schwester..... #2

 Tagebuch des 25. Mai

Autor: Elias

Heute war seltsam. Nicht spektakulär, nicht gruselig – einfach… seltsam.

Clara ist früh aufgestanden. Das allein ist eigentlich schon erwähnenswert, denn normalerweise muss man sie aus dem Bett zerren. Sie war schon angezogen, als ich aus dem Zimmer kam. Kein Schlurfen, kein Gähnen, kein Gemecker darüber, dass es zu früh ist. Sie saß einfach am Tisch, hellwach, mit einem leeren Blick aus dem Fenster, als würde sie auf irgendwas warten.

Ich hab sie gefragt, was los ist, aber sie hat nur gesagt: „Ich fühl mich gut.“
Klar, dachte ich. Einmal keine Kopfschmerzen, keine Lustlosigkeit, da kann man sich schon mal gut fühlen. Aber es war nicht dieses typische „Mir-geht’s-gut“-Gut. Es war… zu ruhig. Zu kontrolliert.

Beim Frühstück ist mir aufgefallen, dass sie kaum blinzelt. Ich weiß, das klingt komisch – aber es ist mir wirklich aufgefallen. Ihre Bewegungen waren irgendwie fließender. Als hätte sie sich das alles vorher überlegt. Selbst wie sie die Tasse gehalten hat – keine zittrigen Kinderfinger, sondern… ruhig. Geübt.

Und dann gab es noch diese Sache mit der Katze. Unsere Nachbarskatze – diese kratzbürstige kleine Mistkröte – ist normalerweise der Meinung, dass Clara das Böse auf zwei Beinen ist. Sie geht ihr aus dem Weg, faucht sie an oder rennt gleich weg. Heute aber… ist sie direkt zu Clara hingelaufen. Hat sich an sie geschmiegt, geschnurrt, sich sogar auf ihren Schoß gelegt.

Clara hat nur gelächelt und gesagt: „Tiere merken sowas zuerst.“
Ich hab sie gefragt, was sie damit meint, aber sie hat nicht geantwortet. Sie hat einfach weiter über das Fell gestrichen, wie eine kleine Königin auf ihrem Thron.

Den Stein hat sie übrigens in ihr Regal gelegt. Ich hab ihn vorhin angesehen, als sie nicht im Zimmer war. Immer noch warm. Immer noch… komisch. Irgendwas an ihm macht mir Gänsehaut.

Ich weiß nicht, ob ich mir das alles einbilde. Vielleicht übertreibe ich auch. Vielleicht projiziere ich meine Sorge, weil sie älter wird und sich verändert. Oder… vielleicht war gestern wirklich der Anfang von etwas. Etwas, das jetzt langsam beginnt, sich zu zeigen.

Ich kann es nicht greifen – aber Clara fühlt sich anders an.
Nicht fremd.
Aber größer. Tiefer.
Als würde in ihr etwas erwachen.

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