Der Wahnsinnige Manuel

 Es war eine jener Nächte, in denen der Mond sich sanft auf der Oberfläche des stillen Teiches spiegelte und der Wind durch die Äste der Bäume flüsterte. Felisia stand dort, allein in der ruhigen Dunkelheit des Waldes, ihre Augen auf den funkelnden Sternenhimmel gerichtet, während der Duft der frischen Erde und die kühle Nachtluft ihre Sinne erfüllten. Es war der perfekte Ort für einen Moment der Stille.

Doch an diesem Abend war sie nicht allein. Ein unbekanntes Wesen hatte sich ihr genähert, ohne dass sie es bemerkt hatte. Ein Mann, der sich selbst Manuel nannte. Er war kein gewöhnliches Wesen, sondern ein geheimnisvoller Fremder, der sich nicht zu den Göttern oder den Sterblichen zählen ließ. Etwas anderes lag in seinem Blick, etwas, das sich Felisia nicht erklären konnte, obwohl sie mit vielen Wesen in ihrem langen Leben bereits vertraut war.

Manuel hatte von Felisia gehört, der mächtigen und gleichzeitig unergründlich anmutigen Göttin mit den Katzenohren und dem Katzenschwanz, die durch die Sphären wandelte. Ihre Geschichte hatte ihn fasziniert, aber nicht auf die Weise, wie man sich gewöhnlich von Legenden hinreißen ließ. Für ihn war sie kein Symbol oder eine Erhabenheit – sie war eine Frau, die er mit all ihrer Schönheit und inneren Stärke begehrte.

„Felisia“, sagte Manuel, als er schließlich aus dem Schatten der Bäume trat, seine Stimme ruhig, aber fest. „Ich habe von dir gehört. Deine Macht, deine Ausstrahlung… du bist ein einzigartiges Wesen, und ich bin gekommen, um dich zu treffen. Du bist mehr als eine Göttin. Du bist… alles, was ich je gesucht habe.“

Felisia drehte sich zu ihm, ihre grünen Augen beobachteten ihn aufmerksam, und für einen Moment konnte sie die Tiefe in seinem Blick spüren – eine Mischung aus Bewunderung und etwas, das sie nicht genau benennen konnte. Es war keine Bedrohung, aber auch keine bloße Flattery. Es war die Art von Begehren, die in seinem Herz wuchs, seitdem er von ihr erfahren hatte.

„Du suchst nach etwas, das du nicht verstehst“, antwortete sie mit ruhiger Stimme, ihre Haltung unerschütterlich, als sie einen Schritt näher trat. „Es ist nicht mein Ziel, jemanden zu beeindrucken oder dir ein Bild von mir zu geben. Ich bin nicht hier, um Wünsche zu erfüllen.“

Manuel trat einen Schritt näher, als ob er an das glauben wollte, was er sich in seinen Gedanken ausgemalt hatte. „Ich weiß, dass du es bist. Du bist die Einzige, die mir fehlen könnte. Lass mich dir näherkommen. Lass mich deine Welt betreten.“

Felisia spürte die Anspannung in der Luft, aber ihre Augen waren immer noch ruhig. „Du musst verstehen, dass ich niemandes Sehnsucht nach Besitz oder Kontrolle bin“, sagte sie sanft, aber bestimmt. „Was du suchst, ist nicht das, was du von mir bekommst.“

Manuel hielt inne, als wenn er die Worte tief in sich aufnahm. Es war keine Ablehnung, keine Wut, sondern ein stilles Akzeptieren, das seine Besessenheit von ihr nicht minderte. „Vielleicht ist es der Wunsch nach Nähe, nach einem Teil der Unnahbarkeit, die du verkörperst. Aber du musst wissen, Felisia, dass ich dir treu bleiben werde. Es gibt nichts, was mich davon abhalten kann.“

Felisia schloss die Augen für einen Moment, und als sie wieder sprach, war ihre Stimme unmissverständlich. „Ich kann dir nicht geben, was du verlangst. Deine Sehnsucht ist ein Schatten, der dich nur weiter von deinem eigenen Selbst entfernt. Du bist ein Wesen mit eigener Existenz, Manuel. Doch du darfst nicht erwarten, dass ich mich von dir beeinflussen lasse.“

Manuel starrte sie einen Moment lang an, als ob er versuchte, ihre Worte zu verarbeiten. Doch was er nicht wusste, war, dass seine Sehnsucht in diesem Moment zu einer drohenden Gefahr für ihn selbst werden würde, nicht durch ihre Ablehnung, sondern durch die Art und Weise, wie er sich ihr hingab. Ihre Existenz war nicht dazu bestimmt, in das Leben anderer einzugreifen, aber sie war auch nicht der Ort, an dem andere eine ungesunde Besessenheit aufbauen konnten.

„Es tut mir leid, dass du das so siehst“, sagte Manuel schließlich, als er langsam einen Schritt zurücktrat. Doch Felisia wusste, dass er sich nicht vollständig von ihr loslassen konnte.

Mit einer einzigen Geste hob sie die Hand. Ihre Augen glühten kurz auf, und die Energie der Umgebung begann sich zu verändern. Manuel spürte es – die Last der Wahrheit, die ihn zu erdrücken begann. „Du bist kein Feind, Manuel. Doch du musst verstehen, dass du dich von mir lösen musst. Sonst wirst du dich selbst verlieren.“

Und so geschah es. Manuel, der sich zu sehr in ihr Bild und in die Vorstellung von Nähe verstrickt hatte, löste sich von der Welt um ihn. Ohne Gewalt, ohne Kampf – einfach, indem Felisia den Fluss der Realität anpasste. Ihr Blick auf die Welt und die Weise, wie sie sich selbst in das Gewebe der Existenz einfügte, hatte ihn so berührt, dass seine Existenz sich veränderte, sich auflöste, ein Teil des Nichts wurde.

Felisia ließ ihre Hand sinken, als der letzte Widerhall von Manuel verschwunden war. Sie atmete tief ein und sah, wie der Teich vor ihr ruhig dalag, das sanfte Mondlicht, das sich darin spiegelte. Es war ein Ende, aber kein trauriges, nur das natürliche Resultat einer Welt, die ihre eigene Ordnung bewahrte.

Manuel war nur ein weiteres flüchtiges Wesen, das in der Unendlichkeit verschwand, und Felisia kehrte zurück zu ihrer Einsamkeit, zu ihrer Stille, zu ihrem unveränderlichen Selbst.

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