Sophies Blog (27)
Ich wusste, dass das passieren würde.
Als sie vorschlugen, ins Weltall zu fliegen, um ihre neuen Fähigkeiten zu testen, hatte ich ein ungutes Gefühl. Nicht, weil ich Angst um sie hatte – sondern weil ich wusste, wie es enden würde.
Ich hatte dort draußen schon genug Unsinn angestellt. Ich kannte die Versuchung, die absolute Freiheit, die sich zwischen den Sternen verbirgt. Die Unendlichkeit, die einen glauben lässt, dass man tun kann, was man will. Ich wollte nicht, dass sie denselben Fehler machten.
Doch meine Warnungen wurden ignoriert.
Wir flogen hinaus. Jeder von uns schimmerte auf seine eigene Weise, unsere Körper durchzogen von Kräften, die ich noch vor kurzer Zeit nicht für möglich gehalten hätte. Ellie schwebte wie eine Dunkle Göttin durch das Nichts, ihr Haar eine lebendige Galaxie. Sophia leuchtete wie eine zweite Sonne, strahlend und erhaben. Marie, Lisa und ich… wir alle hatten uns verändert.
Es war nicht nur unsere Macht.
Es war unser Auftreten, unsere Erscheinung, die Art, wie wir uns bewegten. Es war, als wären wir nicht mehr nur Menschen mit Kräften – sondern etwas anderes.
Etwas Höheres.
Und genau das machte mir Angst.
Ich erinnerte mich.
Daran, wer ich war. Daran, wie ich einst dachte. Ich erinnerte mich an das Gefühl, eine Göttin zu sein – an meine Selbstgefälligkeit, meine Arroganz. Ich erinnerte mich an meine Fehler. An meine Einsamkeit.
Und dann… geschah es.
Ein Planet verschwand.
Er war einfach… weg.
Ich riss meinen Blick von der Dunkelheit los und sah zu den anderen. Die Mädels wirkten verlegen.
„Ähm… ups?“, murmelte Marie.
Lisa kratzte sich am Kopf. „Das war nicht mit Absicht… glaub ich.“
Ich seufzte. Natürlich hatten sie wieder übertrieben. Ich hätte es wissen müssen.
„Gut“, sagte ich. „Dann macht es wieder gut.“
Und so erschufen wir einen neuen Planeten.
Es war kein schwieriges Unterfangen – nicht mehr. Mit vereinter Kraft formten wir Materie aus dem Nichts, brachten Licht und Schatten ins Gleichgewicht, hauchten einer toten Welt neues Leben ein.
Ich beobachtete das Geschehen aus der Ferne. Wie einfach es uns fiel. Wie mühelos wir etwas erschufen, das Milliarden von Jahren benötigt hätte.
Und das machte mir erneut Angst.
Denn es erinnerte mich daran, was ich einmal war.
Was wir vielleicht werden könnten.
Als der neue Planet geboren war, kehrten wir zurück nach Hause. Doch in meinem Kopf hallte nur ein einziger Gedanke nach:
Wie lange noch, bis wir aufhören, Menschen zu sein?
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