Sophias Blog #4
Es war seltsam, einen Engel zu erschaffen. Und noch seltsamer war es, dass sie nun als meine Magd fungierte.
Nicht, weil ich sie dazu zwang – nein. Sie wollte es. Sie bestand darauf.
„Ihr seid meine Meisterin,“ sagte sie mit ruhiger Stimme, als ich versuchte, ihr die Idee auszureden. „Ich wurde durch Euch geboren. Mein Platz ist an Eurer Seite.“
Ich gab irgendwann auf.
Der Engel als Magd
Natürlich konnte sie sich nicht einfach so unter die Menschen mischen – zu perfekt war ihre Erscheinung, zu göttlich ihre Aura. Also tarnte sie sich. Ihre goldenen Augen wurden sanfter, ihre Haare nahmen einen hellen Blondton an. Sie sah immer noch makellos aus, aber nicht mehr überirdisch.
Und so lebte sie nun außerhalb von Maries Anlage als einfache Magd. Sie arbeitete für Ellie und mich, half im Haushalt, bereitete Mahlzeiten zu. Doch in Wahrheit war sie weit mehr als das – sie war eine Wächterin. Meine Wächterin.
Ich spürte ihre Präsenz immer, auch wenn sie nicht im Raum war. Eine strahlende Kraft, stets bereit, mich zu beschützen.
Ellies Antwort: Die Dämonin
Vielleicht wollte Ellie in nichts nachstehen. Vielleicht wollte sie einfach Gleichgewicht schaffen – Licht und Schatten, Engel und Dämonin.
Und so erschuf sie ihre eigene Dienerin.
Eine wunderschöne Frau, genauso makellos wie mein Engel, doch von dunkler Eleganz. Ihre Haut hatte einen kühlen blassen Ton, ihre Augen glühten in einem tiefen Rot. Ihre Haare fielen in langen, seidigen Strähnen über ihren Rücken, und aus ihrem Kopf ragten zwei elegante, geschwungene Hörner.
Doch trotz ihrer dämonischen Erscheinung war sie nicht böse. Nicht in dem Sinne, wie Menschen es sich vorstellen.
Sie war loyal.
Sie war klug.
Und sie war gefährlich.
„Ihr habt eine Dienerin,“ sagte Ellie mit einem sanften Lächeln. „Jetzt habe ich auch eine.“
Natürlich diente die Dämonin nicht nur als Magd. Sie war eine Beschützerin. Sie wusste um Ellies wahre Macht – und würde jeden vernichten, der es wagen würde, ihr zu schaden.
Ein Zuhause in einer anderen Welt
Doch wo sollten sie wohnen?
Ellie hatte die Antwort.
Mit einer Geste erschuf sie einen Subraum – eine eigene kleine Welt, verborgen zwischen den Schatten der Realität. Ein Ort, den nur wir betreten konnten.
„Du solltest lernen, so etwas selbst zu erschaffen,“ sagte sie zu mir.
Und sie brachte es mir bei.
Es war schwer, das erste Mal. Doch nach und nach verstand ich, wie es funktionierte. Und schließlich schuf ich meinen eigenen Raum – ein warmes, leuchtendes Refugium, in dem mein Engel sich ausruhen konnte.
Nun hatten wir unsere eigenen Domänen.
Ellie mit ihrer dunklen, majestätischen Welt.
Ich mit meiner lichten, schimmernden Oase.
Helden wider Willen
Neben all dem wurde unser Leben… hektischer.
Wir verbrachten immer mehr Zeit mit Marie, Lisa und Sophie. Und irgendwie – es geschah einfach – begannen wir, eine Rolle in dieser Welt zu übernehmen.
Nicht nur als Beobachter.
Nicht nur als Überlebende.
Sondern als Akteure.
Helden.
Nicht im klassischen Sinn. Wir trugen keine Umhänge, keine Masken. Doch wir bekämpften Verbrechen – nicht nur Kleinkriminelle, sondern Organisationen, die im Schatten operierten, mit Macht, die kaum jemand hinterfragte.
Wir wurden zur unsichtbaren Klinge.
Und während wir die Welt veränderten, veränderte sie auch uns.
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