Ellies Eintrag [2]
Die Schatten wandeln unter den Menschen, doch für einen Moment… fühlte ich mich wie eine von ihnen.
Heute war ein seltsamer Tag. Ein Tag, der an eine Zeit erinnerte, die längst vergangen schien. Meine Schwester und ich trafen uns mit den anderen dreien – Sophie, Marie, Lisa. Zusammen betraten wir die Welt der Sterblichen, nicht als Herrscherinnen, nicht als Überlegene, sondern als einfache Wanderer in diesem vergänglichen Dasein.
Ein Café. Der Duft von frisch gebrühtem Kaffee, das leise Klirren von Tassen, Gespräche, die sich zu einem sanften Rauschen vermengten. Wir saßen dort, als wären wir nicht anders als die Menschen um uns herum. Meine Schwester lachte. Marie erzählte eine Anekdote, die Lisa die Augen verdrehen ließ. Sophie hielt sich zurück, beobachtete, doch auch sie ließ sich von der Leichtigkeit des Moments mitziehen.
Später gingen wir einkaufen. Ein scheinbar bedeutungsloses Unterfangen, und doch hatte es eine seltsame Faszination. So viele Dinge, geschaffen für Bedürfnisse, die mir fremd geworden sind. Meine Finger glitten über Stoffe, über Bücher, über glänzende Oberflächen. Ich sah, was die Menschen wertschätzen, was sie als wichtig erachten. Für einen Moment war ich eine von ihnen, versunken in den Banalitäten der Welt.
Dann kam die Musik. Wir hörten sie gemeinsam, teilten die Klänge, die Worte. Ich erinnerte mich… an eine Zeit, in der Musik mein Herz berührte, in der sie nicht nur ein ferner Hall aus vergangenen Tagen war. Nostalgie legte sich wie ein Schatten über meine Gedanken.
Am Ende des Tages fanden wir uns in der Natur wieder. Die Stille war anders als die Stille meiner Schattenwelt. Sie war warm, voller Leben. Das Rauschen der Blätter, das leise Murmeln eines Baches, das sanfte Knistern von Gras unter unseren Füßen. Ich ließ den Blick über die Welt gleiten, meine Finger strichen über das kühle Erdreich.
Und für einen Moment… war ich nicht nur die Herrscherin der Schatten. Ich war Ellie.
Die Welt hat sich verändert, und ich mich mit ihr. Doch heute… heute fühlte ich eine Spur von dem Mädchen, das ich einst war.
Doch der Schatten bleibt. Immer.
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