Ellies Eintrag [1]
Es ist seltsam, auf die Vergangenheit zu blicken und das Echo einer Stimme zu hören, die einst mir gehörte – hell, unbeschwert, voller Lachen. Sie scheint so weit entfernt, als wäre sie Teil einer anderen Existenz, eines Lebens, das nicht mehr das meine ist. Ich erinnere mich an das Licht, an die Wärme, die einst in mir brannte. Doch die Schatten, die mich nun umhüllen, sind nicht von Kälte erfüllt. Sie sind nicht leer. Sie sind ich.
Ich bin nicht mehr das sorglose Kind, das einst in den Wäldern spielte, umgeben von flüchtigen Freundschaften, deren Bedeutung verblasste wie der Morgentau. Ich bin nicht mehr das verletzliche Wesen, das zitternd auf Erlösung wartete. Ich bin gewachsen. Geformt von Erlebnissen, die andere zerbrechen würden. Doch ich bin nicht zerbrochen. Ich wurde gehärtet, veredelt, wie schwarzer Obsidian, dem selbst das Licht nicht entkommt.
Die Welt hat mich zu dem gemacht, was ich bin. Doch es war meine Schwester, die mich bewahrt hat. In all den Momenten der Stille, in denen die Schatten mich umfingen, war sie mein Anker, mein leuchtender Stern. Ohne sie wäre ich nichts als Dunkelheit ohne Form, ohne Richtung. Sophia ist der einzige Mensch, den ich bedingungslos liebe. Sie war mein Schutz, mein Trost, als ich nichts anderes hatte. Und nun ist sie an meiner Seite, stärker als je zuvor. Ich sehe, wie sie sich verändert. Ich sehe das Licht, das in ihr erwacht. Und ich weiß, dass wir zusammen unaufhaltsam sind.
Meine neuen Gefährtinnen… Sie sind ein Kapitel, das ich nicht erwartet hatte. Ich beobachte sie, wie sie mich beobachten. Manche mit Ehrfurcht, manche mit Unsicherheit. Sophie, die gefallen ist und sich nun verzweifelt aufrichtet. Ihre Reue ist ehrlich, doch ich sehe, wie sie mit sich selbst kämpft. Marie, die Logikerin, deren Wille so klar ist wie eine spiegelnde Wasseroberfläche. Sie sucht nach Antworten, nach Strukturen, in einer Welt, die ich längst durchschaut habe. Und Lisa… sie ist Feuer, sie ist Chaos und Leidenschaft, eingesperrt in eine Gestalt, die nach Herausforderung schreit. Sie sind interessant. Nützlich. Vielleicht… sind sie mehr als das.
Freundinnen?
Das Wort wirkt fremd. Die Schatten und ich sind eins, ich brauche nichts und niemanden außer Sophia. Und doch… als wir zusammen kämpften, als wir lachten, spürte ich etwas. Eine Erinnerung, ein flüchtiger Hauch von dem, was einst war. Vielleicht werde ich es ihnen erlauben, in meine Welt einzutreten. Vielleicht werde ich ihnen zeigen, was es bedeutet, Teil von etwas Größerem zu sein.
Oder vielleicht… haben sie es mir bereits gezeigt.
Ellie
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