Meine Schwester #9
Manchmal frage ich mich, ob ich wirklich die gleiche Welt sehe wie die anderen. Denn wenn ich Ellie betrachte, dann scheint sie mir nicht mehr wie ein gewöhnliches Mädchen.
Sie war schon immer wunderschön, aber jetzt… jetzt ist sie etwas anderes. Ihre Haut ist von einer fast übernatürlichen Blässe, glatt wie Porzellan, makellos wie eine Statue aus einem alten Tempel. Ihr Gesicht ist scharf geschnitten, mit hohen Wangenknochen und einem Kinn, das zugleich zart und bestimmt wirkt. Ihre dunklen Augen sind wie tiefe Seen, unergründlich, als würden sie alles verschlingen, was sich in ihrem Blickfeld befindet. Und doch liegt darin eine seltsame Ruhe – eine Ruhe, die beunruhigend ist, weil sie zu absolut wirkt, zu allumfassend.
Ihr Haar fällt in endlosen schwarzen Strähnen über ihre Schultern, wie ein Mantel aus Schatten, der sie umhüllt. Es ist so dunkel, dass es fast unnatürlich glänzt, als würde es das Licht in sich einsaugen. Sie trägt immer Schwarz – Kleider, die fließend und elegant sind, mit feinen Stoffen, die sich sanft um ihre zierliche, aber schlanke Gestalt schmiegen. Manchmal hat sie ein Lächeln auf den Lippen, ein sanftes, wissendes Lächeln, das eher wirkt, als würde sie etwas durchschauen, als dass sie wirklich Freude empfindet.
Und dann war da unser Treffen mit den anderen.
Lisa, Marie und Sophie hatten sich mit Ellie verabredet. Es war merkwürdig, sie alle zusammenzusehen – so verschieden, und doch hatte jede von ihnen etwas Eigenes, das sie besonders machte.
Lisa kam zuerst. Sie war energiegeladen, fast nervös, als sie Ellie gegenüberstand. Ihr rotbraunes Haar fiel in sanften Wellen über ihre Schultern, ihre Augen – bernsteinfarben, warm, aber mit einer rastlosen Unruhe – musterten Ellie neugierig. Sie trug eine enge schwarze Hose, eine lederne Jacke und ein bauchfreies Top, das ihre sportliche Figur betonte. Ihre Haltung war selbstbewusst, aber nicht arrogant. Sie hatte eine gewisse Wildheit an sich, eine Ungezwungenheit, die sie fast fehl am Platz wirken ließ neben Ellie, die so still und erhaben dastand.
Dann war da Marie. Sie war eine Schönheit anderer Art. Ihre langen, silberblonden Haare wirkten fast unwirklich, wie aus einer alten Sage. Ihre Haut war ebenso blass wie Ellies, aber nicht kalt – eher wie die Haut einer Adligen aus vergangenen Zeiten. Ihre hellblauen Augen waren groß und ausdrucksstark, und in ihnen lag etwas Spielerisches, etwas Kokettes. Sie trug ein dunkelblaues Kleid, elegant geschnitten, mit goldenen Stickereien an den Rändern. Ihre Bewegungen waren anmutig, fast katzenhaft, als hätte sie sich ihr ganzes Leben lang darauf trainiert, jeden Schritt mit Bedacht zu setzen.
Und dann Sophie. Sie war die Zurückhaltendste von ihnen, und das war spürbar. Ihre goldenen Haare waren leicht gewellt und fielen ihr über den Rücken, ihre grünen Augen hatten einen unsicheren, fast suchenden Ausdruck. Ihre Haltung war nicht so selbstsicher wie die der anderen beiden – sie wirkte beinahe… zerbrechlich? Sie trug einfache Kleidung, eine schwarze Bluse mit feinen Knöpfen und eine schlichte, elegante Hose. Ihre Schönheit war sanft, zurückhaltend, aber sie war da – sie war wie eine Blume, die sich nur langsam öffnete, die noch nicht wusste, ob sie blühen durfte.
Als sie sich alle vor Ellie versammelt hatten, war es, als wäre die Luft schwerer geworden.
Ellie stand da, ihre dunklen Augen betrachteten jede von ihnen mit jener stillen Überlegenheit, die mir so vertraut war. Sie sprach wenig, aber wenn sie es tat, dann hörten alle zu.
Und ich? Ich stand daneben und beobachtete. Beobachtete, wie die Fäden zusammenliefen. Wie diese drei Mädchen, jede mit ihrer eigenen Geschichte, sich langsam um Ellie sammelten.
Ich wusste nicht, wohin das führen würde. Aber eines wusste ich: Ellie stand über ihnen. Und das wussten sie auch.
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