Meine Schwester #8
Der Tag, an dem ich Sophie traf
Ich weiß nicht genau, was ich erwartet hatte, als es an der Tür klingelte. Vielleicht eine normale Besucherin, eine Freundin von Ellie, eine Nachbarin – aber nicht sie.
Sophie.
Ich kannte ihren Namen nicht, als ich ihr zum ersten Mal in die Augen sah. Doch es war seltsam – als würde ich sie trotzdem kennen. Als würde sie irgendetwas sein, das ich schon einmal gespürt hatte. Doch gleichzeitig wirkte sie… anders, als ich mir ein Mädchen mit solcher Ausstrahlung vorgestellt hätte. Zurückhaltend. Fast eingeschüchtert.
Ellie wusste, dass sie kam. Ich hatte es erst am Morgen von ihr erfahren, als sie beiläufig erwähnte, dass jemand sie besuchen wollte.
„Sie will mich sehen“, hatte Ellie gesagt, während sie gedankenverloren durch ihr Haar strich. „Sie und Marie haben es gespürt.“
Was auch immer „es“ war, ich wusste, dass es mit Ellies Veränderung zu tun hatte. Und ich wusste auch, dass ich nicht einfach zulassen konnte, dass ein fremdes Mädchen in unser Haus kommt und Ellie womöglich in Gefahr bringt.
Also öffnete ich die Tür – und da stand sie.
Sophie war… perfekt. Ich weiß nicht, wie ich es sonst sagen soll. Sie sah aus wie ein Idealbild, ein Supermädchen, das mit einer einzigen Bewegung ganze Räume füllen konnte. Und doch stand sie da, zurückhaltend, mit einem Ausdruck, den ich nicht sofort deuten konnte.
„Ich bin Sophie“, sagte sie leise.
Ihre Stimme klang fast unsicher.
Ich ließ sie ins Haus – nicht ohne ein mulmiges Gefühl –, und sie setzte sich Ellie gegenüber an den Tisch. Ich blieb stehen, lehnte mich an den Türrahmen, hörte zu.
Das Gespräch begann vorsichtig, fast tastend. Sophie betrachtete Ellie lange, als versuche sie, hinter etwas zu blicken, das nicht sichtbar war.
„Du bist stark“, sagte sie schließlich.
Ellie lächelte sanft. „Ich weiß.“
Dann wurde Sophie ernster.
„Wir haben dich gespürt“, fuhr sie fort. „Marie und ich. Wir wussten nicht, wer du bist, aber wir konnten es nicht ignorieren. Deine… Präsenz.“
Ellie legte den Kopf leicht schief. „Und warum bist du hier?“
Sophie zögerte. Dann atmete sie tief durch und sah Ellie mit einer Mischung aus Bewunderung und Unbehagen an.
„Wegen Meredith“, sagte sie schließlich. „Und Felixiel.“
Bei diesen Namen spürte ich, wie mein Magen sich zusammenzog.
Meredith.
Felixiel.
Ich hatte von ihnen gehört – vage, am Rande der Dinge, die sich in den letzten Monaten verändert hatten. Ich wusste, dass Meredith mächtig war, dass sie Sophie und Marie in ihre Schranken gewiesen hatte. Und jetzt erfuhr ich, dass sie es waren, die Ellie gerettet hatten.
Ich war fassungslos.
Ellie sagte nichts. Sie sah Sophie einfach nur an, als wüsste sie längst, was sie erzählen würde.
„Sie waren es, nicht wahr?“ Sophie sprach jetzt leiser, fast ehrfürchtig. „Sie haben dich damals gerettet.“
Ellie nickte nur.
Ein stilles Einverständnis lag in der Luft.
Und mir wurde klar, dass hier etwas viel Größeres geschah, als ich es jemals verstanden hatte.
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