Meine Schwester #2

Ellie ist nicht mehr das Mädchen, das sie einmal war. Sie ist ruhig, fast schon unnahbar. Ihr Lachen, das früher so oft durch das Haus klang, ist nun selten geworden. Ab und zu lächelt sie – ein sanftes, fast melancholisches Lächeln, das nicht so recht zu deuten ist. Ihre Ausstrahlung ist anders als die der meisten Menschen. Sie wirkt dunkel und ruhig, als wäre sie von einer geheimnisvollen Stille umgeben.

Viele Leute in der Schule finden sie unheimlich. Ich habe es oft gehört – die geflüsterten Kommentare, das vorsichtige Tuscheln hinter ihrem Rücken. "Gruselig" nennen sie sie. Sie verstehen sie nicht. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob ich es tue. Ellie redet nicht viel. Sie beobachtet lieber. Ihre dunklen Augen scheinen alles zu durchdringen, und manchmal, wenn sie einen ansieht, fühlt man sich seltsam. Manche bekommen ein Unwohlsein, andere wiederum können ihren Blick nicht mehr abwenden, als würde er sie in eine Art Hypnose ziehen.

Früher hatte Ellie Freunde. Jetzt hat sie keine mehr. Ich weiß nicht, ob es ihre Entscheidung war oder ob die anderen sich einfach von ihr entfernt haben. Sie scheint es nicht zu stören. Ich habe sie gefragt, ob sie sich einsam fühlt, aber sie hat nur sanft den Kopf geschüttelt und gesagt: "Nein, ich bin nicht einsam." Ich bin mir nicht sicher, ob ich ihr das glaube. Vielleicht weiß sie selbst nicht, dass sie es ist. 

Deshalb habe ich beschlossen, mehr Zeit mit ihr zu verbringen. Auch wenn sie sich verändert hat, ist sie immer noch meine kleine Schwester. Und egal, was in den Sommerferien passiert ist – ich werde sie nicht alleine lassen.


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