Meine Schwester #13

 Es war ein merkwürdiger, fast surrealer Abend. Wir waren alle zusammen – Ellie, Marie, Lisa, Sophie und ich. Ich hätte nie gedacht, dass eine Gruppe wie unsere sich so… harmonisch anfühlen könnte.

Ellie saß auf einem Thron aus reiner Dunkelheit. Er schwebte einige Zentimeter über dem Boden, als hätte die Schwerkraft keine Macht über ihn. Die Schatten unter ihr bewegten sich, formten groteske Kreaturen, die knurrten, zischten, ihre Körper in unnatürlichen Winkeln verdrehten – aber sie waren keine Bedrohung. Sie waren einfach nur da, wie eine Manifestation von Ellies Präsenz.

Und sie wirkte so erhaben.

Nicht wie ein Kind. Nicht einmal wie eine Herrscherin. Sondern wie etwas jenseits davon. Ein Wesen, das über all dem stand, was wir zu verstehen vermochten.

Ich stand neben ihr. Ihre Schwester.

Marie und Lisa waren ehrfürchtig. Das konnte ich sehen. In ihren Blicken lag eine Mischung aus Bewunderung und Respekt – vielleicht sogar ein wenig Angst. Doch es hielt sie nicht davon ab, sich zu amüsieren.

Denn trotz dieser düsteren Kulisse, trotz des Thrones und der Schattenwesen, verbrachten wir eine gute Zeit.

Marie und Lisa lachten, alberten herum. Es war fast, als wären wir einfach nur eine Gruppe von Freunden. Es hätte ein ganz normaler Abend sein können – wenn man die Kreaturen der Finsternis ignorierte, die am Rande unserer Wahrnehmung lauerten.

Sophie jedoch…

Sophie war anders.

Sie versuchte, Spaß zu haben. Ich sah es. Sie lächelte, sie sprach mit den anderen, sie lachte sogar leise – aber ihr Blick verriet sie.

Immer wieder wanderte ihr Blick in die Ferne, und in ihren Augen lag diese unerträgliche Traurigkeit.

Und dann sah Ellie mich an.

Ich wusste sofort, dass sie es mir zeigen würde. Ich spürte, wie sich etwas in meinem Geist ausdehnte, wie eine fremde Präsenz meine Gedanken berührte.

Und plötzlich sah ich es.

Sophie, kämpfend. Gegen sich selbst. Gegen die Fehler ihrer Vergangenheit. Gegen die Schuld, die wie ein dunkler Mantel auf ihren Schultern lag.

Sie wollte sich nicht amüsieren. Nicht, weil sie es nicht konnte, sondern weil sie es sich nicht erlaubte.

Ihr Verstand verbot es ihr.

Und Ellie verstand das.

Ich sah, wie sie von ihrem dunklen Thron herabstieg. Ihre Bewegungen waren ruhig, fast gleitend. Sie ging zu Sophie, stellte sich direkt vor sie.

Und dann sprach sie mit ihr.

Nicht wie eine Herrscherin. Nicht wie jemand, der über ihr stand.

Sondern einfach… wie eine Freundin.

Ich weiß nicht, was Ellie sagte. Ich hörte es nicht – oder vielleicht sollte ich es nicht hören. Aber ich sah, wie sich Sophies Augen leicht weiteten. Wie ihre Schultern sich entspannten. Wie ein kleines, echtes Lächeln über ihr Gesicht huschte.

Vielleicht hat Ellie wirklich Freunde gefunden.

Nicht nur mich.

Nicht nur ihre Schatten.

Echte Freunde.

Ich spürte eine seltsame Mischung aus Gefühlen in mir aufsteigen. Ein kleiner Stich der Eifersucht – aber auch Freude.

Denn Ellie war nicht mehr allein.

Und das war alles, was wirklich zählte.

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