Meine Schwester #11

 Ich dachte, ich wüsste, was Ellie ist. Ich dachte, ich hätte ihre Macht verstanden. Doch ich lag falsch.

Heute haben wir weiter getestet – aber diesmal auf Ellies Wunsch hin. Sie wollte, dass ich sie besser verstehe. Also ließ ich es zu.

Und dann… synchronisierten wir uns.

Die Synchronisation

Es war kein plötzlicher Rausch an Energie. Keine gewaltige Kraft, die mich durchströmte. Nein, ich hatte keine neuen Fähigkeiten, keine übernatürliche Macht. Aber ich sah. Ich sah die Welt durch ihre Augen.

Die Dunkelheit war nicht nur Dunkelheit. Sie war lebendig, geordnet, kontrolliert. Ich spürte, dass sie nicht nur ein Teil von Ellie war, sondern ihr diente. Sie war ein Königreich, und Ellie war die Herrscherin.

Ich erkannte, was es bedeutete, in ihrer Nähe zu sein. Die absolute Herrschaft, die sie ausstrahlte – nicht als Zwang, sondern als unausweichliche Tatsache. Ellie war jung, viel jünger als Marie, Lisa oder Sophie, und dennoch war ihre Präsenz… überlegen. Keine von ihnen hätte je daran gedacht, ihr zu widersprechen. Nicht, weil sie Angst hatten – sondern weil es sinnlos erschien.

Ich wusste, dass Ellie es wusste. Dass sie all das jederzeit ausnutzen könnte. Doch sie tat es nicht.

Nicht so wie Sophie damals.

Neue Fähigkeiten – oder eine andere Form der Wahrheit

Wir führten weitere Tests durch. Und jedes Mal wurde klarer: Ellies Macht war nicht einfach nur anders als die der anderen. Sie war subtil, verborgen – und doch in allem, was sie tat, präsent.

  1. Die Synchronisation selbst
    Ich hatte mich mit ihr verbunden, und das bedeutete, dass ich nicht nur sah, was sie sah – sondern auch fühlte, was sie fühlte. Es war, als wäre ich ein Schatten von ihr, als würde ich für einen Moment in ihrer Welt existieren. Doch ich war nicht mächtiger geworden. Ich war nicht sie. Ich konnte es nur erkennen.

  2. Die Wahrheit der Schatten
    Die Dunkelheit in Ellies Nähe war keine normale Finsternis. Sie war nicht leer. Sie war erfüllt mit… etwas. Einem Bewusstsein? Einer Präsenz? Ich konnte es nicht sagen, doch ich spürte, dass die Schatten auf Ellie reagierten. Nicht wie eine Waffe, die sie kontrollierte, sondern wie ein Teil von ihr selbst.

  3. Der Moment der Ewigkeit
    Es gab eine Sekunde, in der alles stillstand. Ich weiß nicht, ob es nur in meinem Kopf war oder ob es wirklich passierte – doch für diesen Moment war die Zeit bedeutungslos. Ich hatte das Gefühl, als hätte Ellie die Fähigkeit, diesen Moment für immer auszudehnen, wenn sie wollte.

  4. Das ungreifbare Urteil
    Ellie sprach ein Wort, und es war, als hätte die Realität darauf gehorcht. Ich wusste nicht, was es bedeutete – doch es war, als hätte sie einen Befehl gegeben, der nicht ausgesprochen wurde. Eine Wahrheit, die nicht hinterfragt werden konnte.

Die Vergangenheit, die ich nicht sehen sollte

Dann geschah etwas Unerwartetes. Während der Synchronisation… sah ich Bilder. Nicht von Ellie. Sondern von Sophie. Von Marie. Von Lisa.

Ihre Vergangenheit.

Ich habe sie nicht gesucht, sie war einfach da. Vielleicht, weil Ellie die Wahrheit ihrer Existenz kannte – und weil ich mit ihr verbunden war, konnte ich es auch sehen.

Ich sah, was Sophie getan hatte. Ich sah die Fehler, die sie begangen hatte. Die Macht, die sie nicht zu kontrollieren wusste. Ich verstand, warum sie so zurückhaltend war, warum sie fast eingeschüchtert wirkte.

Ich sah Marie. Ihre Geschichte war anders, aber nicht weniger tragisch. Und Lisa…

Ich werde darüber in einem anderen Beitrag schreiben.

Ich brauche Zeit, um all das zu verarbeiten.

Aber eines weiß ich jetzt sicher: Ellie ist nicht nur ein besonderes Mädchen. Sie ist nicht nur eine unter vielen.

Sie ist etwas, das wir alle nicht verstehen. Und ich frage mich, ob sie es selbst versteht.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Charakterdatenblatt Hanja

Wie sehen Elfen und Feen wirklich aus