Meine Schwester #10

 Ich wusste immer, dass Ellie anders ist. Aber heute haben wir es bewiesen.

Lisa, Marie und Sophie wollten herausfinden, was genau sie kann – und obwohl Ellie nicht sonderlich interessiert wirkte, ließ sie sich darauf ein. Sie betrachtete die ganze Sache mit einem amüsierten, fast belustigten Blick, als wäre das alles ein Spiel, dessen Regeln nur sie wirklich verstand. Doch je mehr wir testeten, desto klarer wurde, dass ihre Kräfte nicht nur real waren, sondern auch weit über das hinausgingen, was wir uns vorgestellt hatten.

Ellies Fähigkeiten

  1. Die Schatten bewegen sich mit ihr
    Als Lisa sie bat, zu demonstrieren, ob sie ihre Umgebung beeinflussen kann, geschah etwas Erschreckendes. Die Schatten im Raum – die an den Wänden, unter den Möbeln, selbst die Schatten unserer eigenen Körper – begannen sich zu bewegen. Sie dehnten sich aus, zogen sich zusammen, krochen über den Boden wie lebendige Wesen. Sie gehorchten Ellie nicht direkt, sondern… folgten ihr. Es war, als wäre sie der Mittelpunkt einer unsichtbaren Macht, die auf ihre bloße Präsenz reagierte.

  2. Leuchtende Dunkelheit
    Ein Paradoxon. Dunkelheit, die strahlt. Als Marie fragte, ob Ellie Licht erzeugen kann, lächelte sie nur und hob die Hand. Doch anstatt eines gewöhnlichen Lichtscheins entstand etwas anderes: eine Dunkelheit, tief und samtig, doch sie leuchtete, als wäre sie selbst eine Form von Energie. Sie war nicht fahl oder gespenstisch, sondern warm und fast beruhigend – eine Dunkelheit, die nicht verschlang, sondern umhüllte, schützte.

  3. Der Blick, der fesselt
    Wir alle wussten, dass es schwer ist, Ellie in die Augen zu sehen, aber diesmal testeten wir es bewusst. Lisa sollte ihr direkt in die Augen schauen und versuchen, ihren Blick nicht abzuwenden. Es dauerte keine zehn Sekunden, bis sie sich unwohl fühlte. Nach zwanzig Sekunden begann sie zu zittern. Nach dreißig Sekunden riss sie sich los und keuchte.
    „Es war… als wäre ich gefallen… in eine endlose Schwärze…“ murmelte sie.
    Wir alle fühlten es. Ellies Augen hatten eine Anziehungskraft, die stärker war als bloßes Charisma. Sie konnten bannen, fesseln, vielleicht sogar kontrollieren, wenn sie es wirklich wollte.

  4. Die Grenze zwischen Leben und Tod
    Wir wussten bereits, dass sie den toten Vogel zurückgebracht hatte. Doch Marie wollte es genau wissen. Also legte sie ein altes, welkendes Blatt vor Ellie und bat sie, es zu berühren.
    Ellie sah sie kurz an, dann legte sie ihre Finger darauf. Das Blatt wurde schwarz, als würde es vergehen – doch dann geschah das Unmögliche: Es wurde wieder grün. Das Leben kehrte zurück. Ein umgekehrtes Verwelken.
    „Du kannst Leben nehmen und geben…“ flüsterte Sophie ehrfürchtig.

  5. Unsichtbare Präsenz
    Ellie kann sich nicht unsichtbar machen – aber sie kann bewirken, dass man sie nicht bemerkt. Mehrmals ging sie einfach aus dem Raum, und obwohl wir wussten, dass sie da war, vergaßen wir es für einen Moment. Als würden die Sinne sie übersehen. Nur wenn wir bewusst daran dachten, konnten wir sie wieder wahrnehmen.

  6. Worte, die tief dringen
    Ihre Stimme hat eine seltsame Wirkung. Wenn sie spricht, dann vergisst man für einen Moment alles andere. Es ist nicht nur die Art, wie sie spricht – ruhig, bedacht, erhaben –, sondern die Schwere ihrer Worte. Sie klingen… endgültig. Man kann ihr nicht widersprechen. Nicht, weil man nicht will, sondern weil es sinnlos erscheint. Ihre Worte haben Gewicht, eine unausgesprochene Autorität.

  7. Die Stille um sie herum
    Immer wieder fiel uns auf, dass die Geräusche um sie herum gedämpft sind. Nicht, weil sie nichts sagt, sondern weil es ist, als würde die Welt in ihrer Nähe leiser werden. Die Luft fühlt sich schwerer an, die Stimmen klingen gedämpfter. Es ist kein erzwungenes Schweigen, sondern eine natürliche Ruhe, die mit ihr kommt.

Die Anführerin, die sie nie sein wollte

Während dieser Tests wurde uns allen etwas klar: Ellie ist nicht wie wir. Nicht nur wegen ihrer Kräfte – sondern wegen der Art, wie sie uns ansieht. Sie hat keine Angst, keine Unsicherheit. Sie steht über den Dingen, als wäre sie Teil einer höheren Ordnung, die wir nicht verstehen.

Und obwohl sie nie das Bedürfnis geäußert hat, uns zu führen, haben wir alle unbewusst begonnen, sie als solche zu sehen. Sie gibt keine Befehle – sie muss es nicht. Ihre bloße Präsenz entscheidet.

Lisa, Marie, Sophie… sie alle blickten sie am Ende des Tages anders an. Mit Respekt, mit Staunen – und mit etwas, das man fast Ehrfurcht nennen könnte.

Und ich? Ich bin ihre Schwester. Ich kenne sie besser als jeder andere. Ich weiß, dass sie sich nicht um Titel oder Macht kümmert.

Aber das ändert nichts daran, dass sie diejenige ist, die wir alle unbewusst folgen.

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