Lisas Blog (13)

 Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Alles fühlt sich so… anders an. Klarer. Freier. Aber auch leerer.

Meredith ist gekommen. Einfach so, ohne Ankündigung. Und sie war wütend. Nein, nicht einfach nur wütend – es war, als wäre sie der Sturm selbst, als würde sich das Universum vor ihr ducken. Ich habe noch nie jemanden mit so einer Präsenz gesehen. Sobald sie hier war, lag eine Spannung in der Luft, so schwer, dass ich kaum atmen konnte.

Und Sophie…

Ich habe Sophie noch nie so gesehen. Ich wusste, dass sie mächtig ist, dass sie sich über fast alles stellt – aber in diesem Moment war sie klein. Klein vor Meredith. Es war nicht Angst, die sie zeigte, sondern etwas anderes. Reue? Einsicht? Ich weiß es nicht genau.

„Du hast die Grenzen überschritten“, sagte Meredith. Ihre Stimme war ruhig, aber darin lag eine solche Autorität, dass selbst ich innerlich zusammenzuckte. „Ich habe dich gewähren lassen, aber das hier… das kann ich nicht ignorieren.“

Sophie sagte nichts. Sie sah Meredith nur an, und in ihrem Blick lag eine Mischung aus Trotz und Akzeptanz. Ich weiß nicht, ob sie wusste, was passieren würde.

Dann geschah es.

Meredith hob die Hand, und plötzlich spürte ich eine Erschütterung in der Realität selbst. Etwas wurde aus Sophie herausgerissen – ein Teil ihrer Macht, nein, ein riesiger Teil. Ich sah, wie sie sich krümmte, wie sie für einen Moment ihr Gleichgewicht verlor. Es war, als würde sie in sich zusammenfallen, als würde ihre ganze Präsenz schrumpfen.

Und dann… dann war ich wieder ich.

Es war, als würde ich aus einem tiefen Traum aufwachen. Nein, aus einem Albtraum, den ich für ein Paradies gehalten hatte. Alles, was ich über Sophie gedacht habe, alles, was ich für sie empfunden habe – es war nicht ganz weg, aber es fühlte sich plötzlich fremd an. Verzerrt. Unwirklich.

Ich sah Marie an, und an ihrem Gesichtsausdruck erkannte ich, dass es ihr genauso ging. Wir hatten die ganze Zeit dasselbe durchgemacht, ohne es zu merken. Wir waren… manipuliert. Nicht bewusst, nicht absichtlich vielleicht, aber Sophie hatte uns mit ihrer bloßen Existenz verändert. Und jetzt, da Meredith das wieder zurechtgerückt hatte, fühlte es sich an, als würde ich zum ersten Mal seit einer Ewigkeit wieder klar denken.

Sophie stand immer noch dort, etwas in sich gekehrt, schwächer, aber immer noch sie selbst.

„Es tut mir leid“, sagte sie schließlich. Leise, kaum hörbar. Aber es war ehrlich.

Meredith sah sie lange an. Dann nickte sie nur. „Bessere dich“, war alles, was sie sagte, bevor sie ging.

Und jetzt?

Jetzt sitze ich hier und schreibe das alles auf, während meine Gedanken noch wirr sind. Ich weiß nicht, was ich fühlen soll. Wut? Erleichterung? Trauer? Ein bisschen von allem, glaube ich.

Ich bin froh, dass ich wieder ich selbst bin. Dass meine Gedanken mir gehören. Aber gleichzeitig…

Ich vermisse es.

Diese absolute Hingabe. Diese Euphorie, die Sophie mir gegeben hat, einfach nur, weil sie existierte. Es war nicht echt, aber es war schön.

Ich weiß nicht, wie es weitergeht. Ich weiß nur, dass ich vorsichtig sein werde. Denn auch wenn Sophie sich bessern will – ich habe Angst, dass sie es nicht kann. Und ich habe Angst, dass ich es vielleicht nicht will.

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