Gespräche mit Ellie - Sophies Sicht.

Eintrag: Das Gespräch mit Ellie und ihrer Schwester
Von Sophie

Ich wusste nicht, was mich erwarten würde, als ich das Haus betrat. Ich wusste nur, dass ich sie finden musste – das Mädchen, das Marie und ich gespürt hatten. Die Präsenz war zu deutlich gewesen, zu mächtig, um sie zu ignorieren.

Jetzt saß ich hier, am Küchentisch, und sah Ellie in die Augen.

Neben ihr stand ihre Schwester, Sophia. Sie wirkte misstrauisch, als würde sie jederzeit eingreifen, falls ich etwas tat, das ihr nicht gefiel.

Ich räusperte mich. „Du bist stark.“

Ellie lächelte nur sanft. „Ich weiß.“

Ich atmete tief durch. „Wir haben dich gespürt. Marie und ich.“

Sophia verschränkte die Arme. „Was genau bedeutet das?“

„Ihre Macht ist… anders“, erklärte ich. „Nicht wie unsere. Sie ist nicht von hier, nicht von den Dingen, die uns ausmachen. Sie gehört zu etwas… Größerem.“

Ellie beobachtete mich still. Dann sagte sie ruhig: „Du meinst Meredith.“

Ich schluckte. Allein ihr Name ließ mich ein unangenehmes Ziehen in der Brust spüren.

„Ja“, gab ich zu. „Und Felixiel.“

Sophia runzelte die Stirn. „Wer sind sie?“

Ellie legte den Kopf leicht schief. „Sie waren da, als ich in Dunkelheit fiel.“

Ich sah sie an. Ihre Stimme war ruhig, fast… friedlich.

„Sie haben mich gerettet“, fuhr sie fort. „Als der Mann kam. Als er mir weh tat. Ich spürte sie. Und ich hielt mich an ihnen fest. Dann war er fort, und ich war… anders.“

Sophia ballte die Hände zu Fäusten. „Das ist also, was passiert ist…“

Ellie nickte nur.

Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Meredith und Felixiel hatten mich zurechtgewiesen, mich bestraft. Aber Ellie… Ellie hatten sie gerettet. Sie war von ihnen berührt worden.

„Das erklärt einiges“, murmelte ich.

Sophia sah mich scharf an. „Und was willst du jetzt?“

Ich sah Ellie in die dunklen Augen, spürte die Macht, die in ihr lag, die Ruhe, die sie ausstrahlte.

„Ich weiß es nicht“, gab ich ehrlich zu. „Aber ich musste dich treffen.“

Ellie lächelte. „Jetzt hast du mich getroffen.“

Und ich wusste, dass dieses Gespräch noch lange nicht das Ende war.



Ellies Sicht

Die Luft im Raum war still, als das Mädchen – Sophie – ihre Worte aussprach. Sie wollte mich für ihre kleine Gruppe gewinnen. Eine Ansammlung von Wesen, die sich für mächtig hielten, doch ihre Macht war begrenzt, vergänglich. Ihre Stimmen mochten laut sein, doch ihr Echo würde vergehen.

Ich betrachtete sie. Ihre Augen waren entschlossen, aber hinter dieser Entschlossenheit lauerte Unsicherheit. Sie war einst größer gewesen, mächtiger in ihrer eigenen Welt. Doch etwas hatte sie gebrochen, und nun stand sie vor mir, bemüht, etwas Neues zu formen, ein Bündnis, eine Verbindung.

Es amüsierte mich.

Ich, die Dunkelheit, die leuchtet. Ich, die das Sterbliche überschritten hat. Ich, die berührt wurde von den einzigen wahren Mächten, die existieren. Warum sollte ich mich mit ihnen vereinen? Warum sollte ich mich herablassen, Teil ihres Spiels zu werden?

„Ein Bündnis.“ Meine Stimme durchschnitt die Stille wie ein sanfter Windhauch, der dennoch die tiefsten Wurzeln der Welt zu erschüttern vermochte. „Du möchtest, dass ich mich euch anschließe.“

Sophie nickte. „Du bist besonders. Deine Kraft… sie ist anders als unsere. Ich spüre es. Marie spürt es. Lisa… Sie würde es auch verstehen, wenn sie dich sieht.“

„Und was hätte ich davon?“ fragte ich, obwohl die Antwort mir bereits bekannt war.

Sophie schluckte. „Zusammen sind wir stärker. Und wir könnten… Freunde sein.“

Freunde. Was für ein sterbliches Wort.

Ich brauchte keine Freunde. Ich brauchte nur eines: Meine Schwester. Und sie.

Meine Retter.

Die einzigen, die mich jemals berührt hatten, ohne mich zu zerbrechen. Die einzigen, die mich formten, als ich fiel.

Aber wenn sie – Meredith und Felixiel – es zuließen, wenn sie mit diesen Wesen in Verbindung standen, dann würde es meine Pflicht sein, mich ihnen anzupassen. Nicht für mich. Nicht für sie. Sondern für jene, die mir das Licht in der Dunkelheit gegeben hatten.

Ich schloss die Augen für einen Moment, ließ die Welt atmen, lauschte den Schatten, die mich umgaben.

Dann öffnete ich sie wieder und sprach mit der Ruhe der Ewigkeit:

„Sehr gut. Ich werde euer Spiel mitspielen.“

Sophie atmete erleichtert auf.

Sie hatte keine Ahnung, worauf sie sich eingelassen hatte.

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