Titel: Die Rückkehr der Vier
Lukas war immer ein Außenseiter gewesen. In den langen Fluren der Schule bewegte er sich wie ein Geist – unsichtbar für die meisten, bestenfalls geduldet, schlimmstenfalls ein Ziel für Spott. Freunde hatte er keine. Früher war das anders gewesen, doch die Erinnerungen an jene Tage waren längst verblasst.
Alles änderte sich an jenem Montagmorgen, als vier neue Schülerinnen in die Schule eintraten. Ihr Erscheinen war wie ein Erdbeben. Jeder kannte ihre Namen: Sophia, Helena, Claire und Ayaka. Sie waren nicht nur schön, sondern auch stark, einflussreich und berühmt. Die Gerüchte über sie überschlugen sich – sie stammten aus wohlhabenden Familien, sie waren Genies, sie konnten kämpfen und hatten in anderen Schulen für Furore gesorgt. Niemand wusste genau, warum sie ausgerechnet hierher gewechselt waren.
Doch die größte Überraschung kam für Lukas, als sie in die Klasse traten.
Zunächst starrte er sie nur an, verwirrt über die seltsame Vertrautheit, die er empfand. Und dann geschah es: Sophia, die Anführerin der Gruppe, riss die Augen auf, bevor ein breites Lächeln über ihr Gesicht huschte.
"Lukas?!"
Bevor er reagieren konnte, stürzten alle vier Mädchen auf ihn zu. Sie umarmten ihn, lachten, freuten sich – als wären sie alte Freunde, die sich nach Jahren wiedergefunden hatten. Und tatsächlich war es so.
Lukas war sprachlos. Diese vier waren seine Kindheitsfreundinnen. Einst hatten sie unzertrennlich im selben Viertel gespielt, Abenteuer erfunden und geschworen, immer zusammenzuhalten. Doch dann waren sie weggezogen, hatten den Kontakt verloren … und nun standen sie wieder vor ihm.
Die Klasse war in Aufruhr. Flüstern, Grollen, schockierte Blicke. Warum begrüßten die vier beliebtesten und mächtigsten Mädchen der Schule ausgerechnet ihn so überschwänglich?
Doch es blieb nicht bei dieser einen Begegnung. Von diesem Tag an verbrachten die vier ihre gesamte Zeit mit Lukas. In den Pausen saßen sie bei ihm, gingen mit ihm nach Hause, schützten ihn, wenn jemand es wagte, ihn dumm anzumachen. Plötzlich war Lukas nicht mehr der unsichtbare Außenseiter, sondern der Mittelpunkt von allem.
Und mit dem Wandel kam die Eifersucht.
Andere Schüler versuchten, sich zwischen ihn und die Mädchen zu drängen, doch sie ignorierten jeden. Jungs, die versuchten, mit ihnen zu flirten, wurden höflich, aber bestimmt abgewiesen. Für sie zählte nur Lukas.
Natürlich ließ das nicht lange auf sich beruhen. Neid, Missgunst und sogar offene Feindseligkeit stiegen in der Schule. Einige versuchten, Lukas schlechtzumachen, Lügen zu verbreiten, ihn zu schikanieren – doch sie vergaßen eine Sache: Sophia, Helena, Claire und Ayaka waren keine gewöhnlichen Mädchen.
Als einer der Jungs aus der Sportmannschaft versuchte, Lukas eine Falle zu stellen, tauchte Ayaka aus dem Nichts auf und ließ ihn mit wenigen, eleganten Bewegungen zu Boden gehen. Sie waren nicht nur schön und beliebt, sondern auch gefährlich.
Lukas selbst verstand nicht, warum sie all das für ihn taten.
Eines Abends, als sie gemeinsam am Flussufer saßen, sprach er es aus.
"Warum … warum haltet ihr so sehr zu mir?"
Claire lachte leise. "Weil du unser Freund bist, Idiot."
Helena lehnte sich entspannt zurück. "Du hast uns nie verurteilt, als wir Kinder waren. Für uns warst du der, der immer da war. Jetzt sind wir wieder da – und diesmal lassen wir dich nicht allein."
Sophia sah ihn mit einem ernsten Blick an. "Außerdem … wenn jemand dich angreift, dann greift er uns alle an."
Lukas wusste nicht, was er sagen sollte. Zum ersten Mal seit Jahren fühlte er sich nicht mehr einsam.
Er war nicht mehr nur der Außenseiter.
Er war der Mittelpunkt ihrer Welt.
Kommentare
Kommentar veröffentlichen
Bitte auf die Feedbackregeln achten