Siebter Blogeintrag
Hey,
heute war ein Tag, den ich nicht so schnell vergessen werde. Ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob ich das überhaupt hier aufschreiben soll, aber ich brauche einen Ort, um alles zu sortieren.
Ich war heute nicht in der Schule. Ich konnte einfach nicht. Die Blicke, die Fragen, das Gefühl, dass ich nicht mehr ich selbst bin – es wurde zu viel. Also bin ich in den Wald gegangen. Einfach weg. Ich hatte keinen Plan, wo ich hinwollte, und es war mir auch egal. Ich wollte nur alleine sein.
Ich bin stundenlang herumgestreift, ohne nachzudenken. Die Bäume, die Vögel, das leise Rascheln der Blätter – es war beruhigend und beängstigend zugleich. Ich fühlte mich so einsam wie noch nie. Alles in mir schrie nach einer Antwort, nach irgendjemandem, der mir sagen könnte, was mit mir passiert. Aber natürlich gibt es niemanden, der das könnte.
Ich dachte, ich wäre völlig allein, bis ich plötzlich meinen Namen hörte. Es war Lisa. Sie hatte mich gesucht – ausgerechnet sie. Ich wollte zuerst weglaufen, aber sie sah so besorgt aus, dass ich nicht konnte.
„Marie, was ist los? Du bist nicht mehr du selbst“, hat sie gesagt.
Und dann... habe ich alles erzählt. Alles. Die Veränderungen, das Gefühl, dass etwas nicht stimmt, und das, was nachts passiert ist, als ich diesen Blackout hatte. Lisa hat mich erst nur ungläubig angestarrt, als ob sie denken würde, ich hätte den Verstand verloren. Aber ich konnte nicht mehr zurück.
Also habe ich meinen Kapuzenpullover ausgezogen. Ich wollte ihr zeigen, was ich meinte. Die Art, wie meine Haut jetzt aussieht, die perfekte Symmetrie meines Körpers – all das, was mich so unwohl fühlen lässt. Lisa konnte nicht wegsehen. Es war, als wäre sie in einer Art Trance, und ich wusste, dass das alles nur schlimmer machte.
Ich habe gesehen, wie sie sich unwohl fühlte. Es war in ihrem Gesicht. Dieses Gefühl von Minderwertigkeit, das ich nie wollte, dass sie wegen mir empfindet. Es hat mir das Herz gebrochen. Ich habe mich auf den Boden gekniet, die Arme um meine Beine geschlungen und versucht, mich klein zu machen, unsichtbar zu sein.
Und dann... bin ich einfach in die Luft gehoben worden. Ich schwebte. Ich weiß nicht, wie oder warum, aber es passierte einfach. Für einen Moment dachte ich, ich träume. Lisa hat mich angesehen, ihre Augen weit aufgerissen. Ich wusste nicht, was ich tun sollte, und als ich mich darauf konzentriert habe, wieder herunterzukommen, hat es funktioniert.
Wir saßen danach einfach da, beide völlig sprachlos. Lisa hat nichts mehr gesagt, und ich wusste nicht, ob das gut oder schlecht war. Ich weiß nur, dass ich Angst habe. Habe ich einen Fehler gemacht, ihr alles zu erzählen? Oder war es richtig, dass wenigstens jemand davon weiß?
Ich fühle mich immer noch allein. Selbst jetzt, wo Lisa es weiß, fühle ich mich, als könnte niemand wirklich verstehen, was gerade passiert.
Ich schreibe später vielleicht mehr. Ich weiß nicht, was ich denken oder tun soll.
Marie 🌟
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