Die Begegnung mit dem Urdrachen


In den tiefsten Schatten des Universums, verborgen zwischen den vergessenen Nebeln der Schöpfung, ruhte eine uralte Macht, die selbst die ältesten Götter ehrfürchtig flüstern ließ – der Urdrachenvater, Ursprung aller Drachen. Sein Körper war eine lebendige Verkörperung kosmischer Urkraft, mit Schuppen, die wie geschmolzenes Sternenlicht funkelten, und Augen, die tiefer als die Ewigkeit selbst blickten.

Felisia und Meredith schritten durch das Portal, das in seine verborgene Domäne führte. Die Luft vibrierte unter der Präsenz dieser uralten Entität. Die riesige Gestalt des Urdrachen ruhte auf einer steinernen Plattform, die über einer unendlichen Leere schwebte. Seine Augen öffneten sich langsam und fixierten die beiden Frauen – neugierig, aber nicht feindselig.

„Ihr seid es also… die Herrscher, die über Gleichgewicht und Schicksal wachen.“ Seine Stimme war eine Resonanz durch Raum und Zeit, durch jede Existenzebene hindurch.

Meredith trat vor, ihre schwarze Aura verschmolz mit der Dunkelheit um sie herum. „Urdrachenvater, wir sind gekommen, um mit dir zu sprechen.“

Felisia lächelte sanft und legte eine Hand auf ihre Hüfte. „Man sagt, du seist der älteste aller Drachen und dennoch… du bist allein.“

Der Drache schwieg. In seiner unendlichen Existenz war er Zeuge von Entstehung und Zerfall unzähliger Welten geworden, doch Einsamkeit war sein ständiger Begleiter.

„Ihr sprecht die Wahrheit,“ murmelte er schließlich. „Ich habe Jahrmillionen über alle meine Kinder gewacht, aber niemals selbst ein Zuhause gehabt…“

Felisia trat an ihn heran, ihre grünblauen Augen funkelten verspielt. „Dann komm mit uns.“

Der Drache hob eine gewaltige Augenbraue. „Mit euch? Wohin?“

Merediths Lippen verzogen sich zu einem wissenden Lächeln. „Zu unserer Familie. Wir haben Raum für einen Wächter von deinem Kaliber… und ein Zuhause, das selbst für dich angemessen wäre.“

Der Urdrachenvater neigte seinen Kopf nachdenklich. „Eine Familie… ein Zuhause…“

Ein uraltes Sehnen erwachte in ihm. In all den Äonen hatte er immer nur beobachtet, aber niemals wirklich gelebt. Und nun standen vor ihm zwei der mächtigsten Wesen, die er je getroffen hatte, und boten ihm genau das, was ihm fehlte.

„Ihr verlangt keinen Tribut, keine Dienste, keine Knechtschaft?“

Felisia lachte sanft. „Nein, aber wenn du dich nützlich machen willst… Wir könnten einen starken Wächter und einen guten Hausmann gebrauchen.“

Meredith schmunzelte. „Stell dir vor – statt über das Chaos zu wachen, könntest du dafür sorgen, dass unser Zuhause geschützt bleibt. Und vielleicht… ein wenig Ordnung in das Leben unserer Familie bringen.“

Der Drache blinzelte. „Hausmann?“

Felisia grinste und deutete auf sich selbst. „Ich liebe gutes Essen. Und wenn du kochen kannst, dann wäre das ein großer Pluspunkt.“

Ein Moment des Schweigens. Dann begann die unermesslich gewaltige Gestalt des Urdrachenvaters plötzlich zu beben – ein tiefes, rollendes Lachen erklang, so mächtig, dass die Dimensionen um sie herum erzitterten.

„Ich, der Ursprung aller Drachen, als Hausmann und Wächter der Herrscherfamilie? Welch absurde, aber köstliche Idee!“

Er erhob sich, seine Flügel spannten sich über das Firmament und schienen für einen Augenblick den gesamten Kosmos zu umhüllen. Dann nickte er langsam.

„Gut. Ich werde euch begleiten. Ich werde über euer Heim wachen… und wenn es euch beliebt, vielleicht auch lernen, was einen guten Hausmann ausmacht.“

Felisia lächelte zufrieden. „Dann lass uns gehen. Willkommen in der Familie.“

Das Portal öffnete sich erneut, und mit einem letzten Blick auf seine einstige Einsamkeit trat der Urdrachenvater hindurch – in ein neues Leben, an der Seite der Herrscherfamilie, wo er fortan als unerschütterlicher Wächter und vielleicht, mit etwas Übung, als perfekter Hausmann dienen würde.


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