Der Himmel über Aelyon Prime riss plötzlich auf. Ein gewaltiges, goldenes Licht durchzog die dichte Wolkendecke, tauchte die Stadt der Titanen in einen blendenden Glanz. Millionen von Bewohnern sahen zum Himmel, als sich eine schlanke, weibliche Silhouette aus dem Strahl herabsenkte. Sie war anmutig, fast tänzerisch in ihrer Bewegung, als wäre sie ein Engel, der vom Firmament selbst entsandt wurde.
Doch sie war kein Engel.
Als die Strahlung nachließ, konnten die Augenzeugen sie endlich erkennen. Eine Frau von überirdischer Schönheit, mit makelloser Haut, langen, fließenden Haaren, die in tiefem Schwarz schimmerten, und funkelnden Augen, die die Farbe eines violetten Sonnenuntergangs hatten. Sie trug eine elegante, fast ätherische Rüstung aus einem Material, das wie flüssiges Sternenlicht wirkte. Jeder ihrer Schritte ließ den Boden erzittern, als ob die Welt selbst ihre Anwesenheit fürchtete.
Sie öffnete die Lippen, und ihre Stimme hallte durch die Stadt – weich, fast verspielt, aber mit einer erschreckenden Dominanz:
"Was für ein hübscher Planet. Ich denke, ich werde hier ein wenig Spaß haben."
Ihre Worte wurden von einem süßen Duft begleitet – eine unsichtbare Wolke aus Pheromonen, die sich in die Lüfte ergoss. Unzählige Menschen sackten auf die Knie, ihre Augen geweitet vor Ehrfurcht, Lust und bedingungsloser Hingabe. Einige beteten sie an, andere verloren sich in ihren eigenen Gedanken, unfähig, einen klaren Gedanken zu fassen.
Dann hob sie eine Hand.
Mit einem Fingerschnippen sandte sie eine Druckwelle durch die Luft. Eine ganze Häuserreihe explodierte auf der Stelle, als ob eine unsichtbare Faust sie zerquetschte. Schreie erfüllten die Straßen, Panik breitete sich aus, doch sie lächelte nur.
"Oh? Das war aber leicht. Vielleicht sollte ich mich ein wenig zurückhalten … oder auch nicht."
Mit einer Bewegung ihrer Hand fuhr eine Energiewelle über die Stadt und ließ Hochhäuser wie Spielzeug zusammenbrechen. Die Straßen barsten auf, ein Inferno aus brennenden Trümmern verschlang ganze Viertel. Tausende Leben erloschen in einem einzigen Augenblick, und dennoch wirkte sie nicht einmal interessiert an dem Chaos, das sie verursachte.
Über den Flammen, zwischen Rauch und Schutt, stand sie – ein göttliches Wesen, das mit der Welt spielte wie eine Künstlerin mit ihrer Leinwand.
"Und wer wird mich wohl aufhalten?"
Die Zentrale der "Aelyon Warden", der mächtigsten Superhelden-Allianz des Planeten, stand unter höchster Alarmstufe. Holographische Bildschirme zeigten Live-Aufnahmen der Zerstörung – Hochhäuser, die wie Kartenhäuser zusammenbrachen, Feuer, das sich durch die Straßen fraß, und Menschen, die entweder um ihr Leben rannten oder in ekstatischer Hingabe vor der Angreiferin niederknieten.
"Das kann nicht echt sein …", flüsterte Commander Zareth, der Anführer der Wardens, ein hochgewachsener Mann mit silbernem Haar und einem Körper, der wie aus purem Stahl gemeißelt war. Seine unzerstörbare Haut hatte ihn durch tausende Kämpfe getragen, doch jetzt fühlte er zum ersten Mal in seinem Leben so etwas wie Angst.
"Wir haben keine Zeit für Zweifel!" rief Mindra, die mächtigste Telepathin des Planeten. "Ich spüre, dass sie nicht nur physisch stark ist – ihre Präsenz allein zersetzt bereits die Gedanken normaler Menschen. Wir müssen handeln, bevor die ganze Stadt in ihren Bann gerät!"
Neben ihr stand Elastra, die Frau mit dem dehnbaren Körper, in einem engen, schwarzen Kampfanzug. Sie ballte die Fäuste. "Ich wickel sie ein, bis sie sich nicht mehr bewegen kann. Dann könnt ihr sie vielleicht ausschalten."
"Und ich werde sie frontal angreifen," erklärte Zareth mit fester Stimme. "Wir werden sehen, ob sie wirklich unaufhaltbar ist."
"Los geht’s!"
Mit einem gewaltigen Knall zerbarst das Dach der Zentrale, als Zareth sich mit Überschallgeschwindigkeit in die Luft schoss. Elastra schlang sich um einen Gebäudeturm und katapultierte sich in Richtung der Bedrohung, während Mindra mit einem mentalen Befehl Hunderte von fliegenden Drohnen losschickte, um die Lage zu analysieren.
Die Göttin stand inmitten der brennenden Stadt, ein Lächeln auf den Lippen, als wäre sie eine Künstlerin, die ihr Werk bewunderte.
Dann spürte sie eine Erschütterung in der Luft.
Mit einer donnernden Welle aus überschallschneller Energie raste Zareth auf sie zu, sein Körper eine lebendige Waffe. Er rammte mit voller Kraft in ihren Rücken – eine Kraft, die Berge sprengen und Planeten erzittern lassen konnte.
Doch sie bewegte sich keinen Zentimeter.
Zareth prallte mit einem lauten CRACK von ihr ab, als hätte er eine unzerstörbare Wand getroffen. Er taumelte zurück, seine Arme zitterten. Dann spürte er es.
Schmerzen.
Er schaute auf seine Arme – sie waren gebrochen. Seine unzerstörbaren Arme.
Seine Augen weiteten sich. "Das ist unmöglich …"
Die Göttin drehte sich langsam zu ihm um, ihr Lächeln wurde breiter. "Oh, du hast es wirklich versucht? Das ist ja niedlich."
Dann hob sie sanft eine Hand und schnippte mit den Fingern.
Eine unsichtbare Kraft erfasste Zareth und schleuderte ihn mit der Wucht einer Supernova durch mehrere Gebäude, bis er weit außerhalb der Stadt im Erdboden einschlug.
"Oh, einer weniger," kicherte sie.
In diesem Moment schnellte ein schwarzer Streifen durch die Luft auf sie zu – Elastra!
Die dehnbare Heldin wickelte ihre flexiblen Glieder in Sekundenbruchteilen um den Körper der Göttin. "Jetzt hab ich dich!" rief sie triumphierend. Ihre Arme, Beine und sogar ihr Torso schlangen sich fest um das göttliche Wesen. Sie presste sich an sie, zog sich immer enger, immer fester.
Dann … passierte es.
Ein süßer, betörender Duft füllte die Luft.
Elastra schnappte nach Luft, ihre Augen weiteten sich – und dann verengten sie sich genussvoll.
Ihre Kraft verließ sie. Ihr Wille zerfiel.
Eine Welle reiner Ekstase durchströmte ihren Körper, als die Pheromone der Göttin ihren Geist zersetzten. Sie keuchte, ein leises Stöhnen verließ ihre Lippen.
Dann, ohne Widerstand, begann sich ihr Körper zu verformen.
Die schwarze Substanz ihres Kampfanzugs löste sich auf – nein, sie verschmolz mit ihr. Ihr Geist verdrehte sich, ihre Gedanken wurden ausgelöscht und neu geschrieben.
Elastra war nicht mehr Elastra.
Ihr ganzer Körper wurde zu einem neuen, hautengen Anzug, der sich perfekt um die Göttin schmiegte. Ein lebendiges Material, das nur noch dazu existierte, sie zu umhüllen, zu beschützen, ihr zu dienen.
Die Göttin betrachtete ihren neuen Anzug und lachte leise. "Oh, das fühlt sich gut an. Danke, meine Süße. Du gehörst jetzt mir."
Mindra beobachtete alles aus der Ferne. Ihr Herz schlug rasend. Sie hatte Elastra direkt vor ihren Augen verschwinden sehen – nicht in einer Explosion oder einem brutalen Angriff, sondern in einer viel grausameren Form der Auslöschung: vollständige Unterwerfung.
Doch Mindra war keine Kriegerin. Sie war eine Telepathin, eine der stärksten, die Aelyon Prime je hervorgebracht hatte. Sie wusste, dass rohe Gewalt gegen diese Kreatur sinnlos war. Stattdessen konzentrierte sie sich.
Ihre Augen leuchteten auf.
„Ich werde in ihren Geist eindringen … und sie von innen heraus zerstören!“
Mit einer einzigen Gedankenbewegung ließ sie ihre psychische Energie auf das göttliche Wesen los. Ihre geistige Präsenz erstreckte sich wie eine unsichtbare Flutwelle, die durch die Stadt raste, direkt in den Verstand der Fremden.
Dann war sie drin.
Mindra stand in einer endlosen Leere. Kein Himmel, kein Boden – nur eine schwebende Leere aus unendlichem Schwarz, durchzogen von leuchtenden, goldenen Fäden, die sich in komplizierten Mustern durch den Raum zogen.
Das war der Verstand der Göttin.
„Interessant …“ dachte Mindra. Sie hatte schon viele Gedankenwelten betreten – die verworrenen Albträume von Serienmördern, die zerbrochenen Erinnerungen von Kriegsveteranen, die tiefsten Ängste ihrer Feinde. Aber das hier?
Das hier war … vollkommen.
Keine Unordnung. Keine Zweifel. Keine Ängste.
Nur ein reines, unverrückbares Bewusstsein, das wusste, dass es existierte, um zu herrschen.
Mindra fühlte sich plötzlich klein. Verloren.
Nein! Sie durfte sich nicht einschüchtern lassen. Sie konzentrierte sich und begann, die goldenen Fäden zu analysieren. Sie waren Gedanken, Erinnerungen, Konzepte. Wenn sie den richtigen Faden fand, könnte sie … könnte sie was?
Plötzlich wurde ihr schwindelig.
Sie … hatte etwas vergessen.
Was war ihr Ziel?
Warum war sie hier?
Wer war sie überhaupt?
Panik stieg in ihr auf. Ihr Name … ihr Name war … Mindra? War das richtig? Oder war das ein fremder Gedanke?
„Oh, du bist aber süß“, sagte eine Stimme – eine süße, melodische Stimme, die durch das Labyrinth hallte.
Mindra wirbelte herum.
Die Göttin stand direkt vor ihr.
Ihr Lächeln war warm. Freundlich. Ihre Augen funkelten amüsiert. „Du bist in meinem Geist eingedrungen? Das ist wirklich … putzig.“
Mindra öffnete den Mund, doch sie wusste nicht mehr, was sie sagen wollte.
Sie wusste nicht einmal mehr, ob sie wirklich existierte.
Alles, was sie noch fühlte, war Bewunderung.
Vergötterung.
Liebe.
„Komm zu mir“, flüsterte die Göttin.
Mindra fiel ihr in die Arme.
Nur Sekunden vergingen in der realen Welt. Mindra, die größte Telepathin des Planeten, stand einfach da, ihre Augen leer, ihre Lippen leicht geöffnet, als würde sie träumen. Dann sank sie auf die Knie, ein sanftes Lächeln auf den Lippen.
Sie war nicht mehr Mindra.
Sie war … etwas anderes.
Die Göttin streichelte ihr sanft über das Haar. „Du wirst mir dienen. Du wirst mein Bewusstsein erweitern. Und du wirst mich lieben, für immer.“
Mindra nickte. Sie konnte gar nicht anders.
Dann wurde der Himmel erneut erschüttert.
Eine Gestalt durchbrach die Wolken mit unvorstellbarer Geschwindigkeit.
Ein Komet aus reiner Kraft.
Titanus!
Der mächtigste Held von Aelyon Prime. Sein Körper war aus verdichtetem Sternenmaterial, seine Knochen unzerstörbar, seine Stärke grenzenlos. Er hatte Planeten gerettet, Monster getötet, ganze Dimensionen überlebt.
Er war ihre letzte Hoffnung.
Er landete mit einem Einschlag, der die gesamte Umgebung erschütterte. Seine Augen leuchteten rot vor Energie. „Genug! Deine Verbrechen enden hier!“
Die Göttin blickte ihn neugierig an. „Oh? Noch ein Spielzeug?“
Titanus brüllte und raste auf sie zu. Seine Faust – eine Faust, die einst Sonnen zerschlagen hatte – raste mit unaufhaltsamer Kraft auf ihr Gesicht zu.
Sie ließ ihn gewähren.
Ihre Haut bewegte sich nicht einmal.
Doch Titanus?
Ein ohrenbetäubendes KRRRRRRTTTSCH! hallte durch die Stadt.
Seine unzerstörbare Faust zerbarst.
Seine unzerstörbaren Knochen rissen auseinander.
Ein markerschütternder Schrei entkam seinen Lippen, als er zu Boden fiel, sein Arm nutzlos an seiner Seite hängend.
Die Göttin kicherte.
„Oh. Das war aber enttäuschend.“
Sie beugte sich hinab, ihre Finger strichen sanft über seine Wange. „Weißt du, Titanus … ich hätte dich vielleicht behalten. Aber … du bist langweilig.“
Dann schnippte sie mit den Fingern.
Titanus’ Körper löste sich in Licht auf.
Die Legende von Aelyon war nicht mehr.
Die Göttin lachte.
„Das war spaßig. Aber jetzt … wird’s mir langweilig.“
Mit einer letzten Bewegung erhob sie sich in die Lüfte, ihr lebendiger Anzug schmiegte sich eng an sie, ihre Telepathin saß ergeben auf den Trümmern und blickte ihr mit verliebten Augen nach.
Dann verschwand sie im Himmel.
Als hätte es sie nie gegeben.
Zusatz:
Jenseits der unzähligen Universen, jenseits der Sterne, existierte ein Reich, das nur wenigen bekannt war. Ein Ort der Macht, des Gleichgewichts, der unermesslichen Kräfte.
Hier residierten Felixiel und Meredith.
Der sanfte Gott der Schöpfung.
Und die strenge, unnachgiebige Richterin.
Die Göttin durchbrach mühelos die Barrieren der Dimensionen, flog durch das sternenlose Nichts und landete elegant vor dem Palast der beiden. Ihr Anzug schmiegte sich noch immer perfekt an ihren Körper – einst eine Heldin, jetzt nur noch ein Teil von ihr. Die Telepathin war nicht mehr mitgekommen. Sie hatte beschlossen, in jener Welt zu bleiben, mit leeren Augen und einem glückseligen Lächeln auf den Lippen.
Die Göttin betrat den Palast mit funkelnden Augen. Sie hatte so viel Spaß gehabt!
Felixiel saß auf einem schwebenden Thron aus goldenem Licht. Er sah sie kommen, sein sanftes Lächeln war wie immer voller Güte. Meredith hingegen stand mit verschränkten Armen da. Ihre violetten Augen funkelten streng, und eine tiefe Falte hatte sich zwischen ihren Brauen gebildet.
Noch bevor jemand ein Wort sagen konnte, breitete die Göttin die Arme aus und verkündete voller Stolz:
„Ich habe gespielt!“
Felixiel lächelte sanft. „Erzähl uns davon.“
Die Göttin strahlte. „Ich habe einen Planeten besucht. Seine Helden wollten mich herausfordern. Es war amüsant! Sie haben alles versucht, um mich zu besiegen, aber es war…“ – sie lachte – „… lächerlich! Einer wurde mein Anzug, eine andere meine Telepathin, und ihr stärkster Krieger hat sich beim Versuch, mich zu schlagen, selbst zerstört!“
Felixiel nickte sanft, als hätte er es bereits gewusst.
Doch Meredith?
Meredith sah aus, als würde sie gleich explodieren.
„DU HAST WAS?!“ rief sie.
Die Göttin blinzelte überrascht.
„Ich habe nur gespielt …“
Meredith schritt auf sie zu, ihre Präsenz erfüllte den ganzen Palast mit einer Aura von Autorität. „Du hast nicht gespielt. Du hast eine Zivilisation ins Chaos gestürzt! Du hast Menschen ihrer Identität beraubt! Du hast einen Planeten erschüttert, für nichts weiter als deinen Spaß!“
Die Göttin runzelte die Stirn.
Felixiel erhob sich und legte ihr sanft eine Hand auf die Schulter. „Ich verstehe, dass du Freude daran hattest. Aber du weißt, was jetzt kommen muss.“
Die Göttin seufzte leise.
Merediths Augen funkelten. „Du weißt genau, dass wir so etwas nicht zulassen können. Also wirst du jetzt den Status Quo wiederherstellen.“
Die Göttin senkte den Kopf. Nicht aus Trotz, nicht aus Zorn. Sondern, weil sie wusste, dass es richtig war.
Es war ihre Überzeugung.
Sie war nicht nur mächtig.
Sie war nicht nur ein Wesen, das tun konnte, was es wollte.
Sie glaubte an Meredith und Felixiel. Sie glaubte an das Gleichgewicht.
Deshalb gehorchte sie.
Ohne ein weiteres Wort drehte sie sich um und verließ den Palast.
Mit einem einzigen Gedanken öffnete sie einen Riss durch Raum und Zeit und kehrte auf den verwüsteten Planeten zurück.
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Epilog: Alles war nur ein Traum
Die Göttin stand über den Ruinen der Stadt und hob die Hand.
Die Zeit selbst gehorchte ihr.
Die Trümmer fügten sich wieder zusammen. Die Gebäude erhoben sich aus dem Staub. Die Straßen reparierten sich, als hätte es nie Zerstörung gegeben.
Die Lebewesen, die gefallen waren, erwachten wieder, ihre Erinnerungen an die Katastrophe verblassten, bis sie nur noch ein unerklärlicher Schatten in ihrem Geist waren.
Die Telepathin, die Heldin aus Gummi, der unzerstörbare Krieger – sie alle waren wieder da, unberührt, ungebrochen.
Die Göttin lächelte.
Dann verschwand sie.
Als wäre sie nie da gewesen.
Und für die Welt war sie das auch nicht.
Nur ein einziger Gedanke blieb in den Tiefen des Universums zurück, ein leises Echo in den Sternen:
„Es war schön, mit euch zu spielen.“
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