19ter Blogeintrag
Hallo,
ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Seitdem Lisa wieder da ist, dreht sich alles in meinem Kopf. Ihr Auftauchen hat etwas in mir geweckt, das ich fast vergessen hatte: Schuld. Reue. Aber auch Hoffnung.
Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich ihr alles sagen soll. Ob ich ihr von den Dörfern erzählen soll, von den Menschen, die ich ausgelöscht habe, von dem, was ich geworden bin. Doch dann kam die Frage: Weiß sie es vielleicht schon?
Wie hat Lisa mich überhaupt gefunden? Ich bin weit weg von zuhause, geflohen vor allem und jedem. Niemand hätte wissen können, wo ich bin. Und doch stand sie plötzlich vor mir.
Ich musste es herausfinden. Also bin ich unsichtbar zu ihr geflogen, zu ihrem Zuhause. Ich habe ihre Gedanken gelesen, ihre Erinnerungen durchforstet. Ich habe gesehen, wie viel Mühe sie sich gemacht hat, mich zu finden.
Sie wusste alles.
Lisa hatte Nachrichten über die verschwundenen Dörfer und Städte gelesen. Über die Menschen, die spurlos verschwunden sind, und die Zerstörung, die ich hinterlassen habe. Sie hat recherchiert, Hinweise gesammelt, meine Spuren verfolgt.
Natürlich wusste sie, wo ich war. Sie kannte mich besser als jeder andere. Wir waren beste Freundinnen. Sie hat mich gefunden, weil sie mich finden wollte – egal wie schwer es war.
Ich weiß nicht, was ich fühlen soll. Lisa hat all das gewusst und ist trotzdem zu mir gekommen. Sie hat sich entschuldigt, obwohl sie hätte Angst vor mir haben können. Sie hat mich gesucht, obwohl sie wusste, was ich getan habe.
Jetzt sitze ich hier und versuche, meine Gedanken zu ordnen.
Kann ich ihr vertrauen? Kann ich ihr wirklich alles sagen?
Oder hat sie schon genug von mir gesehen?
Ich habe einen Entschluss gefasst. Ich werde mit Lisa reden. Alles, was ich bin, alles, was ich getan habe, werde ich ihr sagen. Sie verdient die Wahrheit – egal, was passiert.
Marie 🖤
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