Kapitel 7: Die Reise aus dem Elfenwald

Der Morgen war kühl und frisch, als Felicitas, Velara und die vier auserwählten Begleiter ihre Reise begannen. Die ersten Sonnenstrahlen brachen durch die dichten Baumkronen des Elfenwaldes und tauchten den Weg in ein mystisches, goldenes Licht. Doch die Schönheit des Waldes konnte die Unruhe in Felicitas' Herz nicht vertreiben.

Sie blickte zurück, ihre roten Augen voller Wehmut. Das Elfendorf war ihr zur ersten Heimat geworden, seit sie in diese Welt gekommen war. Die Erinnerungen an die Tage, die sie hier verbracht hatte, die Zuneigung, die sie von Velara und einigen anderen Elfen erfahren hatte, hielten sie zurück. Es fühlte sich an, als würde sie ein Stück von sich selbst hinterlassen.

Velara legte ihr sanft eine Hand auf die Schulter. „Wir werden zurückkommen, Felicitas. Der Wald wird immer auf dich warten.“

Felicitas nickte nur stumm und setzte ihren Weg fort, die schweren Gedanken in ihrem Kopf kämpften gegen die Angst vor dem Unbekannten.

Das erste Hindernis: Ein Fluss voller Gefahren

Der Weg aus dem Elfenwald war nicht leicht. Obwohl Velara die Route gut kannte, führte er über gefährliches Gelände. Nach einigen Stunden erreichten sie einen breiten, reißenden Fluss, dessen Ufer mit glatten Steinen und Wurzeln übersät war.

„Wir müssen hier rüber“, sagte Velara, während sie die Strömung musterte. „Doch die Strömung ist stark. Und ich kann spüren, dass hier etwas lauert.“

„Flüsse wie dieser sind oft Heimat für Waldkreaturen“, fügte Rogar hinzu. „Wir müssen vorsichtig sein.“

„Vielleicht könnten wir eine Brücke finden? Oder einen anderen Übergang?“ schlug Lyra vor, ihre Stimme zögernd.

„Dafür haben wir keine Zeit“, entgegnete Sir Cedric, der mit ernster Miene seine Umgebung beobachtete. „Wir müssen hier durch. Bleibt wachsam.“

Die Gruppe begann, vorsichtig den Fluss zu überqueren, indem sie von Stein zu Stein sprangen. Doch als Felicitas beinahe das gegenüberliegende Ufer erreichte, brach plötzlich ein lautes Knurren die Stille. Aus dem Wasser tauchte ein massives, schlangenartiges Wesen auf, dessen schuppige Haut im Sonnenlicht glänzte.

„Ein Wasserwürger!“ rief Velara, ihre Stimme scharf. „Bereitet euch vor!“

Die Gruppe zog ihre Waffen, und Artemis begann sofort, eine Schutzbarriere zu wirken, um die Angriffe des Wesens abzuwehren. Felicitas spürte, wie ihr Herz raste, doch sie zwang sich, ruhig zu bleiben.

„Ich schaffe das“, murmelte sie leise zu sich selbst und ließ ihre Magie fließen. Ihre roten Augen leuchteten, und sie streckte eine Hand aus. Plötzlich schossen schimmernde Fäden aus purpurner Energie aus ihren Fingern und umwickelten das Wesen, was es kurzzeitig lähmte.

„Jetzt, Cedric!“ rief sie.

Der Hauptmann nutzte die Gelegenheit und stieß sein Schwert in den empfindlichen Hals des Wesens. Mit einem letzten Zucken sank es in den Fluss und wurde von der Strömung fortgetragen.

„Das war knapp“, keuchte Lyra und stützte sich auf einen Felsen.

„Aber wir haben es geschafft“, sagte Cedric und nickte Felicitas zu. „Du hast dich gut geschlagen.“

Felicitas’ Wangen wurden leicht rot, und sie blickte auf den Boden. „Danke...“

Eine nächtliche Begegnung

Am Abend schlugen sie ihr Lager in einer kleinen Lichtung auf. Velara entzündete ein Lagerfeuer, während Artemis heilende Zauber wirkte, um die Erschöpfung der Gruppe zu lindern. Felicitas saß etwas abseits, ihre Gedanken in der Dunkelheit verloren.

Velara setzte sich zu ihr. „Du hast dich heute gut geschlagen, Felicitas. Du bist stärker, als du denkst.“

„Vielleicht... aber ich habe immer noch Angst“, gestand Felicitas leise. „Angst vor dem, was vor uns liegt. Und Angst vor dem, was ich tun muss.“

„Das ist normal“, sagte Velara sanft. „Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben. Es bedeutet, trotz der Angst weiterzumachen. Und du bist nicht allein. Wir alle sind bei dir.“

Felicitas blickte auf und sah Velara an. Die Worte ihrer Mentorin gaben ihr Trost, wenn auch nur für einen Moment.

Die Schatten der Verderbnis

In der zweiten Nacht ihrer Reise bemerkte Rogar, der als Wache eingeteilt war, eine seltsame Bewegung am Rand der Lichtung. Schatten flackerten zwischen den Bäumen, und ein unheimliches Knurren erklang.

„Etwas kommt auf uns zu“, flüsterte er und weckte die anderen.

Die Gruppe stellte sich bereit, und bald tauchten mehrere Kreaturen aus der Dunkelheit auf. Sie waren grotesk und von einer finsteren Aura umgeben – Monster, die von der Verderbnis heimgesucht worden waren.

„Bleibt zusammen!“ rief Sir Cedric, als die Kreaturen angreifen wollten.

Ein heftiger Kampf entbrannte, und jeder in der Gruppe spielte eine entscheidende Rolle. Artemis schleuderte Feuerbälle, Rogar schoss Pfeile mit tödlicher Präzision, und Lyra nutzte ihre diplomatischen Fähigkeiten, um Befehle zu koordinieren und die Gruppe zu unterstützen. Felicitas ließ erneut ihre Magie fließen, und obwohl die Angst sie fast überwältigte, kämpfte sie tapfer.

Nach einem langen und erschöpfenden Kampf lagen die Monster schließlich besiegt am Boden, und die Gruppe sammelte sich, um die Verletzten zu versorgen.

„Das war nur ein Vorgeschmack auf das, was kommen wird“, sagte Velara düster. „Die Verderbnis breitet sich aus, und sie wird uns keine Ruhe lassen.“

„Dann müssen wir schneller sein“, antwortete Cedric entschlossen.

Das Ende des Waldes

Am dritten Tag erreichten sie schließlich den Rand des Elfenwaldes. Vor ihnen lag eine offene Ebene, die sich bis zum Horizont erstreckte. Felicitas blickte zurück, und eine Welle von Emotionen überkam sie.

„Das ist es also“, murmelte sie. „Ich verlasse den einzigen Ort, der mir je wie ein Zuhause vorkam.“

Velara legte ihr erneut die Hand auf die Schulter. „Manchmal muss man einen Ort verlassen, um zu wachsen. Du bist stärker, als du denkst, Felicitas. Und ich werde bei dir sein.“

Mit einem letzten Blick auf den Wald wandte sich Felicitas um und trat auf die Ebene hinaus. Die Reise war noch lang, und die Gefahren lauerten überall, doch sie wusste, dass sie diese Herausforderung nicht alleine bewältigen musste.


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